Von Jens Friedemann
08. Mai 2008 Noch vor wenigen Monaten wäre die These, Amerika könne die Führung im internationalen Klimaschutz übernehmen, als absurd erschienen. Schließlich hatte der amerikanische Präsident George W. Bush den Klimawandel lange Zeit als Hirngespinst abgetan. Seit aber die Energiekosten Rekordhöhen erreichen und verheerende Naturkatastrophen das Land heimsuchen, hat in Amerika eine Bewusstseinsveränderung eingesetzt.
Unter der Schlagzeile "Green is gold" wird Klimaschutz nun als ein Segen und eine der größten Jobmaschinen der Welt angesehen. Dabei stehen Immobilien ganz vorn, denn sie konsumieren 40 Prozent des Energieverbrauchs und verursachen 40 Prozent des schädlichen Treibhausgasausstoßes - in den Städten sogar bis zu 70 Prozent. Immobilien sind der größte Umweltverschmutzer. So verwundert es nicht, dass die Immobilienwirtschaft in das Blickfeld der Umweltschützer geraten ist und "grüne Politik" nun auch im amerikanischen Wahlkampf eine herausragende Rolle spielt.
Klimaschutzprogramme in amerikanischen Städten
Zahlreiche amerikanische Städte und Bundesstaaten haben Klimaschutzprogramme eröffnet: Sie mieten und bauen nur noch umweltschonende Gebäude und wollen schädliche Treibhausgasemissionen durch Obergrenzen (Cap and Trade) eindämmen. Dazu zählt der elektronische Handel mit Emissionsrechten: Umweltverschmutzer, die ihr Limit überschreiten, sollen Emissionsrechte von anderen erwerben können, die unter der Grenze liegen.
Schon seit 2003 besteht für den Handel mit Emissionsrechten die "Chicago Climate Exchange" mit 330 großen Unternehmen als Mitglieder. 2005 kam in London die "European Climate Exchange" (ECX) hinzu. Es sind die ersten Börsen der Welt für den Handel mit Treibhausgas-Zertifikaten (Carbon Financial Instrument Contracts). Sie sollen eines Tages selbst kleinen Unternehmen aus aller Welt ermöglichen, Umweltguthaben an der Börse zu verkaufen, wenn sie schädliche Emissionen nachweislich zurückfahren.
Qualifizierungssystem für Energieeffizienz und Umweltschutz
Wie ein Komet zum Exportschlager aufgestiegen aber ist das amerikanische Qualifizierungssystem für Energieeffizienz und Umweltschutz in Gebäuden unter den Namen "Leed" - Leadership in Energy and Environmental Design. Selbst die Deutsche Bank strebt bei der Sanierung ihrer Bürotürme in Frankfurt den höchstmöglichen Qualitätsstatus (Leed-Platin) an. In Amerika sind zertifizierte "grüne" Gebäude die Renner am Markt. Sie werden bevorzugt finanziert, ermöglichen höhere Mieten, weisen geringere Leerstände auf und erzielen Spitzenpreise.
Deutschland, das in Sachen Umweltschutztechniken international als führend gilt, hat von der Welle der Begeisterung nichts abbekommen. Statt wie in Amerika auf Marktchancen zu setzen, steht die deutsche Immobilienwirtschaft vor schweren Eingriffen in ihre Autonomie, vor allem durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz und die schrittweise Verschärfung der Energieeinsparverordnung. Auch hat die Europäische Kommission eine Überarbeitung ihrer entsprechenden Richtlinien angekündigt, die auf eine Invasion von weiteren Vorschriften deuten.
Der baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger will Hauseigentümern sogar Daumenschrauben anlegen und zwingt sie seit dem 1. April mit einem Landesgesetz, unter bestimmten Voraussetzungen erneuerbare Energien einzusetzen. Die hessische Stadt Marburg will sogar jedem Haus eine Sorlaranlage aufbürden. Dabei scheint den Politikern entgangen zu sein, dass öffentliche Fördermittel nur für freiwillige Investitionen gewährt werden; ohne Förderung aber geht die Investitionsrechnung nicht auf.
Bisher wurde Nachhaltigkeitsstrategien wenig Beachtung geschenkt
"Grün" beschreibt hierzulande ökologische und politische Aspekte - und wird in der Immobilienwirtschaft weitgehend mit dem vom 1. Juli an vorgeschriebenen Energiepass für Gebäude gleichgesetzt. Das amerikanische Leed-Zertifikat und ein gutes Dutzend ähnlicher Öko-Siegel in aller Welt aber bewerten neben den ökologischen auch ökonomische, soziale und urbane Qualitäten von Immobilien. So vergibt das Leed-System neben der Energieeffizienz auch Punkte für den Planungs- und Bauprozess, den Landschaftsverbrauch, den Material- und Ressourceneinsatz, Raumluftqualität, Wasserhaushalt und Standortqualität. Jetzt hat die erst im vergangenen Jahr gegründete "Deutsche Gesellschaft für nachhaltiges Bauen" mit Hilfe von Wissenschaftlern ein erstes Öko-Siegel "Made in Germany" entwickelt. Es wird im Juni der Öffentlichkeit vorgestellt und soll dem amerikanischen Leed-System Paroli bieten.
Bisher sind Nachhaltigkeitsstrategien wenig Beachtung geschenkt worden, weil der Investitionsaufwand zu hoch und die Erträge durch ersparte Energiekosten zu vage erschienen. Doch seit der grüne Stempel zur Wertstabilität in Immobilienbeständen beiträgt und hohe Subventionen locken, beginnt sich das zu ändern. Auch sehen viele Städte, Institutionen und Unternehmen in ihrer Verpflichtung, zugleich der Öffentlichkeit zu dienen, eine Strategie für die Erhaltung der Zukunft. Darin aber liegt nicht nur ein emotionaler, sondern auch ein physischer Prozess der Wertsicherung als Voraussetzung für die Erhaltung des Wohlstandes und der Umwelt.
Text: F.A.Z.
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| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 5.326,63 | -1,12 |
| TecDax | 573,04 | -5,15 |
| DowJones | 9.447,11 | -5,11 |
| Nasdaq | 1.754,88 | -5,80 |
| STOXX 50 | 2.878,82 | +0,22 |
| Nikkei 225 | 10.155,90 | -3,03 |
| S&P 500 Zert. | 10,50 | -1,78 |
| Euro/Dollar | 1,36 | +0,11 |
| Bund Future | 117,28 | +0,26 |
| Gold | 884,85 | -0,41 |
| Öl | 85,76 | -1,06 |