Von Jürgen Dunsch
04. April 2008 Die UBS in der Schweiz scheint ein Beleg dafür zu sein, wie einfach im Grunde genommen das Bankgeschäft doch ist. In guten Zeiten fallen vor allem im Investmentbanking Riesengewinne an. Die Kunden sind zufrieden, und die Spitzenbanker streichen satte Boni ein. In schlechten Zeiten tragen die Anleger einen großen Teil der Last. Kommt es ganz schlimm, müssen die entstandenen Verluste durch Kapitalerhöhungen ausgeglichen werden. Nur der größte anzunehmende Unfall, dass alle gleichzeitig an ihr Geld wollen, bereitet wirkliche Sorgen.
Die Immobilienkrise in den Vereinigten Staaten hat der UBS wie kaum einer anderen Bank zugesetzt. Aus den Fugen geraten ist sie deswegen bisher nicht. Zunächst sprangen ihr zwei Investoren aus Asien bei und verhalfen ihr zu 13 Milliarden Franken. Jetzt soll eine allgemeine Kapitalerhöhung weitere 15 Milliarden Franken bringen. Selbst Abschreibungen von rund 25 Milliarden Euro wie im Fall der Schweizer Großbank lassen sich auf diese Weise schultern. Eine akute Übernahmegefahr sehen für die Krisenbank nur wenige, wobei der Hauptgrund indes die Schwäche der gesamten Branche sein dürfte. Auch eine Rettungsaktion à la Bear Stearns mit zähneknirschend eingeräumter Staatsgarantie für notleidende Verbriefungen ist nicht zu befürchten. Der Schweizer Finanzminister hat sich allerdings auf Steuerausfälle in diesem und im nächsten Jahr von rund zwei Milliarden Franken einzustellen.
Unter den Fehlleistungen leiden alle Mitarbeiter
Gleichwohl muss die UBS jetzt über die Bücher. Das Fiasko in Amerika hat Verwaltungsratspräsident Marcel Ospel das Amt gekostet. Er wollte nach eigener Aussage Teil der Lösung der Probleme dieser Bank sein. Tatsächlich war er Teil des Problems. Man mag dafür sein, dass Manager die von ihnen verursachten Schwierigkeiten ausbaden. Aber bei Ospel war nach der jüngsten, riesigen Verlustankündigung die Grenze überschritten, in der die Bank vermitteln konnte, dass sie zur Kursänderung fähig ist. Sein Verbleiben im Amt wäre ein Symbol für einen Kurs des Beschönigens und Vertuschens geworden. Der ehemalige Bankenstar hat jeglichen Kredit verspielt - bei der nachsichtigen Bankenkommission der Eidgenossen, bei der Nationalbank und vor allem bei jenen Geldhäusern, welche die neue Kapitalerhöhung garantieren.
Als Folge des Katastrophenkurses ihrer Verbriefungsspezialisten und Händler in den Vereinigten Staaten hat die Bank kräftig Federn lassen müssen. Unter den Fehlleistungen eines Teils der Investmentbanker und der mangelnden Risikokontrolle an der Spitze leiden alle Mitarbeiter. Die Kunden der Bank werden wohl mit höheren Gebühren angezapft werden. Das bestehende Bonus-System in der Entlohnung, das Missmanagement nicht wirklich bestraft, ist nicht mehr zu rechtfertigen. Dabei bleibt es nicht. Der allgemeine Vertrauensverlust ist groß. Wer so schlecht wirtschaftet wie die UBS, dem ist bald alles zuzutrauen. Im ersten Quartal hat die Bank ihre toxischen Subprime- und Alt-A-Hypothekenengagements noch einmal kräftig zurückgefahren. Aber der Restbestand umfasst immer noch 31 Milliarden Dollar.
Die Kapitalerhöhung wird eine Vertrauensfrage
Vielleicht hat die UBS, verglichen mit der Konkurrenz, besonders aggressiv abgeschrieben und womöglich sogar einige stille Reserven gelegt. Wetten darauf abschließen wird niemand. Abzuwarten bleibt, welche Änderungen das Investmentbanking erfährt. Konzernchef Marcel Rohner will die Orientierung am Vermögensverwaltungsgeschäft verstärken und den Eigenhandel kräftig zurückbinden. Er wird aber wohl nicht so weit gehen, das Kapitalmarktgeschäft zu einem Dienstleister des größten Vermögensverwalters der Welt zu machen. Die Vermögensverwaltung ist die Paradedisziplin der UBS. Gerade hier treten im Sog der Krise schon Erosionserscheinungen auf. Der Abzug von Geld durch institutionelle Anleger setzt sich fort. Und in ihrem Heimatmarkt Schweiz verliert die Bank offenbar Marktanteile.
Vor diesem Hintergrund wird die angekündigte Kapitalerhöhung zur Bewährungsprobe für die Behauptung, dass die Zeit der "Selbstgefälligkeit" (Ospel) vorbei und das Vertrauen der Anleger in die UBS intakt sei. Die Bereitschaft der vier Großbanken JP Morgan, Morgan Stanley, BNP Paribas und Goldman Sachs, den Kapitalzufluss zu garantieren, bildet eine gute Vorlage, dies gerade in einer Zeit, in der sich das Vertrauen der Geldhäuser untereinander auf einem Tiefpunkt befindet. Die heutigen Aktionäre der UBS erhalten schon die Dividende für 2007 in Aktien statt in bar. Jetzt sollen sie zusätzlich die Kapitalerhöhung von nicht weniger als 15 Milliarden Franken tragen. Zu diesem Zweck kann die UBS das nominale Aktienkapital um bis zu 60 Prozent erhöhen. Das würde einen sehr tiefen Bezugspreis von rund 12 Franken ermöglichen, führte aber zu einem riesigen Verwässerungseffekt. Die künftigen Großaktionäre aus Singapur und dem Nahen Osten haben sich davor geschützt. Gleichwohl ist die Schlussfolgerung klar: Wenn die UBS ihre Kapitalerhöhung nur zu einem solchen Ausverkaufspreis durchbringt, hat sie keinen Deut an Vertrauen gewonnen.
Text: F.A.Z.
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