Von Konrad Mrusek
03. April 2008 Es ist gut, dass diese Bio-Illusion sich vorerst verflüchtigt hat. Mehr Pflanzensaft in Automotoren zu verbrennen ist nicht nur klimapolitisch fragwürdig, weil man damit recht wenig Kohlendioxid spart. Biokraftstoffe aus Weizen, Mais oder Zuckerrohr sind auch in ethischer Hinsicht bedenklich. Man kann nicht zweimal ernten, entweder gehen die Früchte auf den Teller oder in den Tank.
Das müssten Bauern eigentlich wissen, doch weil sie Subventionen für Energiepflanzen erhalten, verschweigen sie diesen Widerspruch gerne. Die Städter haben die Bauernregel dennoch verstanden, als Nahrungsmittel jüngst teurer wurden. Ist damit die gesamte Bioenergie-Strategie und damit ein wichtiger Teil der Klimapolitik gescheitert?
Nein, es ist durchaus sinnvoll, Biomasse zu nutzen, doch die Klimabilanz ist viel besser, wenn man durch Verfeuerung oder Vergärung Strom oder Wärmeenergie gewinnt. Das Debakel sollte Anlass sein, die zweite, bessere Generation von Biokraftstoffen abzuwarten, die etwa aus Restholz stammen. Auch eine semantische Korrektur ist dringend nötig: Statt Biosprit sage man künftig Agrokraftstoff. Dieses Wort vermeidet hoffentlich weitere Bio(alb)träume.
Text: F.A.Z.