17. Dezember 2008 Die amerikanische Notenbank wagt sich auf unbekanntes geldpolitisches Gelände. Auf null Prozent haben die Währungshüter den Leitzins gesenkt. Damit ist die Zinspolitik am Ende, der geldpolitische Instrumentenkasten der Zentralbank aber nicht leer. Unter der Führung von Ben Bernanke, der sich als Wissenschaftler lange mit der Großen Depression des vergangenen Jahrhunderts beschäftigt hat, ist die Fed entschlossen, eine angeblich drohende Deflationsspirale mit allen Mitteln zu bekämpfen. Hierfür sind die Währungshüter bereit, Staatsanleihen und andere Wertpapiere zu kaufen. Das ist nichts anderes als Gelddrucken — nur über einen Umweg, den Markt für amerikanische Staatsanleihen, wo die Fed Preise und Zinsen bestimmen kann.
Die Verzweiflung muss groß sein. Denn es gibt kaum ein schlimmeres Szenario als den allgemeinen Verfall der Preise. Auf das Gegenteil, die Inflation mit steigenden Preisen, kann eine Zentralbank immer mit noch höheren Leitzinsen reagieren. Bei einer Spirale nach unten ist aber bei null Zins Schluss. Mit der Übernahme von toxischen Hypothekenpapieren entlastet Bernanke die Bankbilanzen, und mit dem Kauf von Staatsanleihen bringt er Geld unter die Leute, weil er für steigende Kurse und fallende Zinsen sorgt, was manchem Hausbesitzer die Umschuldung ermöglichen wird.
Ein gewaltiger Vermögenstransfer von Gläubigern zu Schuldnern
Das zusammen mit den Rettungspaketen für die Wall Street heißt: Der amerikanische Staat übernimmt von der Privatwirtschaft einen Großteil des gewaltigen Bergs fauler Schulden. Das Risiko ist hoch. Rasch kann am Markt die Erwartung von der Deflationsfurcht hin zur Angst vor einer galoppierenden Inflation kippen. Ein erstes Warnsignal ist der Schwächeanfall des Dollars. Ob das Experiment der kontrollierten Entwertung der amerikanischen Staatsschulden gelingt? Niemand weiß, wie die Dollar-Gläubiger in Asien reagieren werden, zumal China seine Währung ebenfalls zugunsten seiner Exporte abwerten möchte.
Nach der Bank von Japan steuert nun auch die Fed einen Deflationskurs, die Bank von England dürfte bald folgen. Was bedeutet das für die Europäische Zentralbank? Sie wird ihre Leitzinsen entweder freiwillig weiter senken oder über die Wechselkurse dazu gezwungen werden. Am Ende wird es zu einem gewaltigen Vermögenstransfer von Gläubigern zu Schuldnern kommen – und die Erkenntnis stehen, dass das Leben nicht immer fair ist.
Text: F.A.Z.
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