25. September 2006 In der Personalberaterbranche herrscht Bewegung wie lange nicht mehr. Kienbaum gelang die Verpflichtung Tiemo Krachts, womit das Unternehmen in der Direktansprache von Führungskräften der ersten Ebene einen guten Schritt vorankommen dürfte.
Die Logik zahlreicher anderer Wechsel bei Gesellschaften wie Spencer Stuart, Whitehead Mann oder Heidrick & Struggles erschließt sich hingegen nicht sofort. Da gibt es Mutterkonzerne in Großbritannien oder in den Vereinigten Staaten, die sich um ihre deutschen Niederlassungen so lange nicht gekümmert haben, wie diese ordentliche Ergebnisse erwirtschafteten. Als dies nicht mehr geschah, nahmen sie die Gesellschaften in Deutschland nicht nur genauer unter die Lupe, sie griffen auch in deren Führung ein, häufig verkennend, daß der deutsche Markt anders tickt als der amerikanische oder britische. Die Deutschland-Chefs standen unter Druck und griffen zu Personalschnitten.
Interessanterweise scheint sich dabei die branchenübliche Diskretion positiv auf die Karrieren auch der geschaßten Headhunter auszuwirken. Daß jemand auf der Umsatzseite nicht reüssiert hat und deshalb gehen mußte, scheint sich in der Szene nicht herumzusprechen. Denn sogleich kommen sie alle wieder irgendwo unter. Ein Ende ist nicht abzusehen. Das ist nicht allerorten ein Zeichen für Qualität. Eher eines für Nervosität.
Text: nr., F.A.Z., 25.09.2006, Nr. 223 / Seite 11