Von Werner Sturbeck
21. März 2008 Die abermals hohen Abschreibungen auf riskante Wertpapiergeschäfte sind für die krisengeschüttelte IKB wahrlich mehr als ein Pappenstiel. Die zusätzliche Belastung kann zwar möglicherweise durch das im Februar von der Bundesregierung geschnürte Rettungspaket aufgefangen werden. Aber der wirkliche Schaden wiegt noch viel schwerer als die Millionen, die die IKB verspielt hat.
Die Wertkorrekturen sind Folge einer abgebrochenen Verkaufsaktion für riskante verbriefte Kreditgeschäfte. Das gefährdet den Fahrplan für den allseits geforderten Rückzug der staatlichen Förderbank KfW aus dem IKB-Aktionärskreis. Schlimmer noch, stellt dieses Missgeschick die Fähigkeit des Großaktionärs KfW als Sanierer in Frage. In den Aufsichtsgremien der Staatsbank versuchen sich Bundesminister gegenseitig die Verantwortung für schlechte Kontrolle zuzuschieben. B-Politiker aus Regierungs- und Oppositionsparteien kommentieren die Schwierigkeiten in opportunistische Reden über die erschöpfte Leidensfähigkeit der Steuerzahler. Gleichzeitig schickt die KfW die IKB mit dem Auftrag zum Verkauf spekulativer Wertpapiere in einen aussichtslosen Kampf.
Kein Markt für solche Investments
Jedem Fachmann ist klar, dass es für solche Investments derzeit keinen Markt gibt und die seit Monaten anhaltende Vertrauenskrise selbst weniger spekulative Portfolios zu Ladenhütern macht. Daher werden sogar die hochgradig vom Staat garantierten, verbrieften Studentenkredite weit unter Wert gehandelt. Wer in dieser Lage wesentlich risikobehaftetere Anlagen feilbietet, beschädigt sein Vermögen selbst.
Die West LB muss mit etwa 30 Milliarden Euro ein ähnlich großes Verbriefungsgeschäft wie die IKB durch die Vertrauenskrise steuern. Hier haben sich die Verantwortlichen aber für einen anderen Weg entschieden. Die mehr als 20 Milliarden Euro, die aus der Bankbilanz ausgegliedert werden, müssen nicht mehr Quartal für Quartal der Bewertung eines Marktes ausgesetzt werden, an dem keiner dem anderen traut. Nur wirkliche Ausfälle müssen in dem ausgegliederten West-LB-Portfolio wertberichtigt werden. Das für die Refinanzierung benötigte Geld ist sicher besser angelegt als die immer neuen Stützungen für die IKB.
Der erhöhte Abschreibungsbedarf der IKB wirft allerdings nicht allein Zweifel an der Saniererkompetenz der KfW auf. Es hätte sich doch auch ein heimisches Konsortium privater Banken mit ausreichender Risikotragfähigkeit für ein zu fast 70 Prozent abgeschirmtes Portfolio finden lassen müssen.
Text: F.A.Z.
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