10. November 2009 Es gibt gute Banken, und es gibt schlechte Banken, daran hat die Finanzkrise nichts geändert. Doch ist die Kluft zwischen ihnen größer geworden. Auf der Gewinnerseite stehen Institute, die wie die Deutsche Bank keine Staatshilfe benötigt haben oder sich wie Goldman Sachs, JP Morgan und eine Reihe anderer amerikanischer Häuser von der staatlichen Umklammerung freigekauft haben. Auf der Verliererseite finden sich die Banken, die weiterhin auf das staatliche Kapital angewiesen sind. Die britische Royal Bank of Scotland (RBS) zählt dazu, ebenso die Citigroup oder die Bank of America. Aus Deutschland sind es die Commerzbank und die angeschlagenen Landesbanken wie West LB, Bayern LB, Landesbank Baden-Württemberg und HSH Nordbank.
Die staatlich gestützten Banken in Europa haben ein Problem: die Brüsseler Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes. Sie verordnet den Banken im Gegenzug für die Genehmigung der staatlichen Hilfen eine Schrumpfkur. Ihre Bilanz verkleinern müssen auch die gesunden Banken im Vorgriff auf die von den 20 wichtigsten Wirtschaftsnationen (G 20) beschlossene Verschärfung des Aufsichtsregimes. Doch dürfen sie sich aussuchen, auf welches Geschäft sie verzichten und welche Sparten sie behalten wollen. Diese Freiheit ist zum Beispiel einer RBS verwehrt, die sich von profitablen Versicherungs- und Rohstoffaktivitäten trennen muss. Auch die Commerzbank belastet der von Brüssel verordnete Verkauf des Immobilien- und Staatsfinanzierers Eurohypo. Dafür hat sie zwar bis 2014 Zeit, allerdings schreibt Deutschlands zweitgrößte Bank den Firmenwert der von der Finanzkrise stark getroffenen Tochtergesellschaft jetzt schon ab. Im dritten Quartal musste deren Buchwert um mehr als 550 Millionen Euro nach unten korrigiert werden.
Belastungen aus dem Kreditgeschäft
Hinzu kommen die Belastungen aus dem Kreditgeschäft, für das aufgrund des sich inzwischen dem Ende zuneigenden Konjunkturabschwungs Vorsorge getroffen werden muss. Die in diesem Jahr schlechteren Ergebnisse der Unternehmen drücken deren Kreditwürdigkeit. Die Banken müssen dann ihre Forderungen in der Unternehmensfinanzierung mit mehr Eigenkapital unterlegen. Für die Commerzbank verheißt dies Ungemach, denn ihr Kreditbuch umfasst 400 Milliarden Euro. An deutsche Unternehmen hat sie 130 Milliarden Euro vergeben, so viel wie keine andere Bank.
Die Schwierigkeiten im Kreditgeschäft treffen auch die Deutsche Bank, aber sie befindet sich in einem deutlich robusteren Zustand. Die Hausse an den Kapitalmärkten, die natürlich auf die Liquiditätsschwemme der Notenbanken zurückzuführen ist, hat die Erträge im Investmentbanking sprudeln lassen. Dazu hat sich die Marktposition der Deutschen Bank in diesem Segment weltweit verbessert. Die Risiken in anderen Häusern sind deutlich größer und das Kapital entsprechend knapper. Mit Lehman Brothers ist ein wichtiger Wettbewerber vom Markt verschwunden. Merrill Lynch wurde von der Bank of America aufgefangen; deren Handlungspielraum ist aufgrund der staatlichen Unterstützung eingeschränkt.
Darüber hinaus stärkt die Deutsche Bank weniger wechselhafte Geschäftsbereiche. Die Übernahme der angeschlagenen Privatbank Sal. Oppenheim ist ein Beispiel dafür. Das Vermögensverwaltungsgeschäft mit wohlhabenden Kunden wird damit ordentlich ausgebaut – und das zu einem günstigen Preis.
Die mittelfristigen Auswirkungen auf den Wettbewerb sind bedenklich
Auch wenn das Beispiel der beiden größten deutschen Banken nicht eins zu eins auf andere Länder übertragbar ist, ist die Entwicklung am Bankenmarkt vergleichbar: Die starken Institute werden stärker und die schwachen schwächer. Die mittelfristigen Auswirkungen auf den Wettbewerb sind bedenklich, war doch die Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank, die schließlich vom Steuerzahler mit einer Kapitalhilfe von 18,2 Milliarden Euro abgesichert wurde, dadurch motiviert, dem Branchenprimus Deutsche Bank einen Konkurrenten auf Augenhöhe entgegenzusetzen. Nun schrumpft die Commerzbank – gemessen an der Bilanzsumme – wieder auf ihre Ausgangsgröße. Ob sie zumindest im Inlandsgeschäft der Deutschen Bank jemals wieder Paroli bieten kann, ist derzeit mehr als fraglich.
Mehr als ein Jahr nach der Lehman-Insolvenz zeigt sich, dass durch die Finanzkrise langfristig eine Einschränkung des Wettbewerbs am Bankenmarkt droht. Es bildet sich immer stärker eine oligopolistische Struktur von internationalen Großbanken heraus, die sich das lukrative Geschäft im Investmentbanking untereinander aufteilen. Multinationale Großunternehmen brauchen Intermediäre zu den internationalen Kapitalmärkten. Doch den Zugang können nur Banken mit einem global aufgestellten Kapitalmarktgeschäft anbieten. Und diese werden immer weniger.
Die staatlichen Hilfen für die schwachen Institute haben in der Finanzkrise einen Flächenbrand verhindert. Davon haben auch die Banken profitiert, die keine Staatshilfe benötigt haben und nun an Muskeln zulegen. Die Zahl der systemrelevanten Institute nimmt ab, aber die Systemrelevanz weniger Banken zu.
Text: F.A.Z.
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