Von einem Missbrauch gewerkschaftlicher Rechte zu sprechen, ist schon allerhand. Angeblich, weil man sich mitten in den Verhandlungen befände. Verhandeln kann man aber nur, wenn man sich bewegt. Davon ist von Arbeitgeberseite keine Rede. Nicht einmal ein Angebot gibt es, welches diesen Namen verdient.
Die von der Presse willig aufgegriffenen 5 % reduzieren sich bei genauererm Hingucken zu einem Negativbetrag, denn durch die Arbeitszeitverlängerung (1 Stunde mehr entspricht ca. 2,5 % Lohnerhöhung) geht das Angebot ins Leere. Hinzu kommt, dass es auf zwei Jahre ausgelegt ist und nur etappenweise Gehaltsanpassungen vorsieht. Von den 2 x 0,5 % Leistungsbestandteilen (sind in den 5 % enthalten) profitiert zudem nur eine Minderheit. Außerdem: Wie will man Leistung im Öffentlichen Dienst denn messen? Der Müllabfuhrfahrer kann nur die Mülltonnen leeren, die ihm zugewiesen werden. Soll er deshalb auf die 2 x 0,5 % verzichten?
Vielleicht sollte die FAZ mal ein wenig differenzierter berichten. Oder es besser bleiben lassen.
Wen wundert es eigentlich wirklich, wenn die Gewerkschaften im öffentlichen Dienst schon frühzeitig "massiv Druck" machen ? Sind es nicht führende Bundes- und Landespolitiker, die dem Wahlvolk seit Monaten den konjunkturellen Aufschwung verkünden, den Neidkomplex gegenüber den Besserverdienenden schnüren, nun aber offenkundig selbst als entscheidungsbefugte Arbeitgeber im öffentlichen Personalsektor unter dem Aspekt der "Kosten-Spirale" in ernsthafte Argumentationsschwierigkeiten kommen. Die "emotionalen" Reaktionen der Gewerkschaften sind deshalb durchaus nachvollziehbar.
Faktisch geht es meines Erachtens zurzeit deshalb auch nicht mehr wie früher nur um den materiellen Inflationsausgleich und einen angemessenen Produktivitätszuschlag, sonderm es geht im Sinne eines politschen Verteilungskampfes um einen als gerecht empfundenen Anteil am Volkseinkommen. Die Debatte, die Kurt Beck als SPD-Vordermann in Richtung der Gutmenschen, die Respektierung der Partei "Die Linke", ausgelöst hat, zeigt inzwischen insoweit auch realwirtschaftliche Konsequenzen. Wenn die öffentlichen Arbeitgeber jetzt nicht "gegensteuern", wirtschaftliche Vernunft anstelle von politischen Wunschdenken walten lassen, hat "Die Linke" gewonnen.
Unsere Volksvertreter genehmigen sich ein Plus von 10%!
Und für die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes, die ebenfalls aus Steuermitteln ihr Gehalt erhalten, soll es unter Berücksichtigung der gestaffelten Laufzeit, einer Arbeitszeiterhöhung u.a. weniger als die Teuerungsrate sein?
Es stimmt etwas nicht hier in diesem Staat.
Also, der Nachholbedarf ist doch überall gegeben. Ob beim kleinen Angestellten/Arbeiter, beim selbständigen Handwerker oder Freiberufler. Der größte "Nachholbedarf", der nie zu befriedigen ist, ist der der öffentlichen Hand. Und damit beginnt das Übel. Oder sind wir dann schon mittendrin. Es ist eine Crux. Da zahlen/erhalten wir weltweit mit die höchsten Löhne, haben aber netto weniger in der Tasche. Die Nettoeinkommen sind seit Jahren real gesunken. Ist das die Schuld der Unternehmen? Oder handelt es sich hier um eine überbordende Fiskalpolitk der öffentlichen Hand?
Dem Bürger sei gesagt: Wer hier dem Staat alles anvertrauen will, darf sich nicht wundern, wenn dieser sich dies fürstlich honorieren läßt und nur mittelmäßige Gegenleistungen erbringt. Der momentane Schwenk noch weiter nach Links wird diese Situation weiter verschärfen. Wenn die Mehrheit das allmählich erkennt, dann ist es sehr spät.
"Plasberg" hat gestern sehr gut gezeigt wo die wahren Demogogen dieses Landes sitzen. Von der Kamera aus gesehen auf der linken Seite. Genau!