Hochgeschwindigkeitszüge

Die Zeit der Hoflieferanten ist vorbei

Von Christian Schubert

06. Februar 2008 Wenn ein Zug schneller wird, soll er nicht an jeder Grenze anhalten. Dieses Leitmotiv, das im kleinstaatlichen Europa mehr denn anderswo gilt, schlägt sich im Bahnverkehr in mehrfacher Hinsicht nieder. Zum einen kooperieren Zugbetreiber wie die Deutsche Bahn und die französische SNCF, um auf Strecken bis vier Stunden Reisezeit den Flugzeugen Konkurrenz zu machen. Ein Erfolg ist, dass die Fluggesellschaft Germanwings ihre Flüge zwischen Stuttgart und Paris eingestellt hat, seit dort die SNCF unterwegs ist.

Der neueste Zug aus dem Hause Alstom, der AGV, sorgt ebenfalls für grenzüberschreitenden Wettbewerb. Er könnte von der Deutschen Bahn gekauft werden, so wie die SNCF 2009 beim ICE von Siemens zugreifen könnte.

Die Zeit der Hoflieferanten ist glücklicherweise vorbei; im Regional- und Nahverkehr haben die Zuggesellschaften schon im Ausland gekauft, im prestigeträchtigen Hochgeschwindigkeitsverkehr könnte das auch bald kommen. Noch ist der Beweis freilich nicht erbracht. Es ist zu hoffen, dass sich beide Bahngesellschaften in ihren Entscheidungen allein von technischen und wirtschaftlichen, nicht von politisch-nationalen Überlegungen leiten lassen. Das haben die Kunden verdient.



Text: F.A.Z., 06.02.2008, Nr. 31 / Seite 20