Inwischen konnte man in der FAZ auch Bewunderndes über den amerikanischen Pragmatismus lesen. Wenn dem so ist, dann hätte ich aber auch in nicht-Krisenzeiten gerne etwas weniger ideologische Heilslehre von den Selbstheilungskräften des Marktes und von der Schädlichkeit jeglichen staatlichen Handelns. Wenn schon pragmatisch, dann bitte immer. Ich schätze, dann würden die Interessen hinter den Ideologien wesentlich klarer.
Es gab vor einigen Jahren ein interessantes Interview in der "Zeit" mit dem Chefökonomen der US-Bank "Goldman-Sachs", der der deutschen Politik empfahl aufgrund des schleppenden Binnenmarktes in Deutschland Geldprämien an die deutschen Konsumenten zu verteilen, um den Binnenkonsum in Deutschland wieder auf Trab zu bringen. Auf die Entgegnung des Interviewers "Aber man sagt, Keynes sei tot" antwortete der amerikanische Ökonom sinngemäß: "Und wenn die Deutschen weiterhin in solchen Schubladen denken, ist die deutsche Volkswirtschaft auch bald tot".
Ich denke, der Mann hat recht. Die Ökonomie ist zu komplex, als dass man ihr in Schubladen gerecht werden könnte. Was in der einen Situation völlig falsch ist, kann in einer anderen völlig richtig sein. Ich möchte dem Autor dieses Artikels wirklich nicht zu nahe treten, aber hier scheint mir blind an einer ökonomischen Denkschule festgehalten zu werden. Denkschulen sind in der Natur dieser Disziplin: Denkschulen kommen, Denkschulen gehen. Wir sollten nicht meinen, am Ende aller ökonomischen Erkenntnis angekommen zu sein.
