Arbeitskampf bei Lufthansa

Gefährliche Streiklust

Von Heike Göbel

25. Juli 2008 Ob Verdi-Chef Frank Bsirske mit der Lufthansa so leichtes Spiel hat wie im öffentlichen Dienst? Dort hatten die Arbeitgeber im Frühjahr rasch eingelenkt, nachdem die Gewerkschaft mit Streik gedroht hatte. Die von der Politik gewünschte Ruhe wurde zu Lasten der Steuerzahler erkauft.

Einem im Wettbewerb stehenden Unternehmen ist es nicht möglich, die Kosten eines überzogenen Tarifabschlusses einfach an Dritte weiterzugeben. Die Verdi-Forderung, die Einkommen der von ihr vertretenen Beschäftigten um knapp zehn Prozent zu erhöhen, gefährdet Arbeitsplätze. Das weiß Bsirske, schließlich sitzt er im Aufsichtsrat des von seiner Gewerkschaft mit Streik bedrohten Unternehmens und kennt das schwierige Wettbewerbsumfeld genau.

Doch Bsirske will die Auseinandersetzung nutzen, um den Zulauf zu den Konkurrenzgewerkschaften Cockpit und Ufo zu stoppen. Mit schnellem Einlenken ist nicht zu rechnen. Für die Lufthansa gilt es, den Streikschaden gegen die Dauerlast eines überhöhten Abschlusses abzuwägen. Glimpflich kommen sie und damit die Beschäftigten nur davon, wenn Verdi sich wenigstens darauf einlässt, dass ein Teil der Forderung mit Einmalzahlungen beglichen wird.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa