Von Gerald Braunberger
25. März 2008 Nun hat sich die amerikanische Großbank J.P. Morgan entschlossen, ihr Abfindungsangebot für die Aktionäre der angeschlagenen Investmentbank Bear Stearns zu verfünffachen. Daran wäre nichts auszusetzen, wenn J.P. Morgan die Risiken dieser Übernahme tragen würde. Dem ist aber nicht so, denn der Kauf von Bear Stearns wird durch eine rund 30 Milliarden Dollar schwere Garantie der amerikanischen Notenbank Fed gedeckt.
Sollte sich die Übernahme von Bear Stearns als ein Verlustgeschäft erweisen, zahlen nicht die Aktionäre von J.P. Morgan die Zeche, sondern die Notenbank. Die zahlt indirekt auch das höhere Abfindungsangebot für die Aktionäre von Bear Stearns.
Dieses Beispiel zeigt auf erschreckende Weise, wie falsch die Anreize gesetzt sind, wenn eine Notenbank für eine einzelne Bank garantiert. Es gilt dann der Satz, dass Gewinne der Banken privatisiert, Verluste aber sozialisiert werden. Notenbanken tun gut daran, das gesamte Bankensystem im Krisenfall mit zusätzlichem Geld zu stabilisieren, wie sie es in den vergangenen Monaten getan haben. Die Rettung einzelner Banken und ihrer Aktionäre darf hingegen nicht zum Aufgabenkatalog einer Notenbank gehören.
Text: F.A.Z., 26.03.2008, Nr. 71 / Seite 11
