Biosprit der zweiten Generation

Schlamm in den Tank

Von Hendrik Kafsack

13. April 2008 Die Begeisterung ist dahin. Schienen Biokraftstoffe vor kurzem noch der Königsweg zur Senkung des Treibhausgasausstoßes zu sein, mehren sich jetzt die Zweifel. Die Lebensmittelpreise sind so stark gestiegen, dass es in Haiti gewaltsame Unruhen gegeben hat.

Das liegt nicht nur, aber auch am Ausbau der Biospriterzeugung auf Kosten der Lebensmittelherstellung. Zudem wachsen Zweifel, ob Biokraftstoff besser für das Klima ist als Benzin oder Diesel. Das ist nicht nur so, wenn für die Produktion in Brasilien Regenwald gerodet wird. Auch der Anbau von Raps oder Mais für die Biokraftstofferzeugung in Amerika oder Europa führt dazu, dass die Emissionen zunehmen. Denn dafür braucht man Dünger, und der setzt Treibhausgase frei.

Dennoch bringt es wenig, der Glorifizierung von Biokraftstoffen nun die Verteufelung folgen zu lassen. Wird es eines Tages möglich, Kraftstoff aus Klärschlamm oder Stroh, also Abfall, zu gewinnen, sind negative Folgen für Lebensmittel und Klima so gut wie ausgeschlossen. Wann dies so weit sein wird, weiß aber niemand. Umso mehr sollte die EU ihren Plan überdenken. Es ist nicht sinnvoll, schon heute einen Biokraftstoffanteil von 10 Prozent für 2020 vorzuschreiben.

Text: F.A.Z.

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