Managergehälter

Die Sehnsucht nach Gleichheit

Warum verdienen manche Top-Manager an einem einzigen Tag mehr Geld als mancher Normalbürger in einem ganzen Jahr? Bis heute bleiben die Antworten der Ökonomen auf diese Frage dürftig. Von Rainer Hank

Lesermeinungen zum Beitrag

08. April 2008 16:12

Brisante Lage

Thomas Mirbach (lurkius)

Die Diskussion über die soziale und moralische Dimension einer extrem ungleichen Einkommensverteilung regt sich derzeit auch im anglo - amerikanischem Raum. Und zwar sind es self-made Milliardäre wie Warren Buffet, George Soros, Michael Gross von PIMCO und andere die diese Frage kritisch stellen. Der Anteil am Gesamtvermögen der reichsten 1% der Gesellschaft in den USA ist heute 38% (20% 1976). Das sind Verhältnisse wie zuletzt in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts kurz vor dem Börsenkrach. Nicholas Ferguson, der Geschäftsführer der Private Equity Gruppe SVG Capital, sagte kürzlich, dass es nicht angehen kann, dass seine Putzfrau einen höheren Steuersatz hat als er.

Leistung muss sich lohnen, das gebietet die menschliche Natur. Heißt im Umkehrschluss: Versagen darf nicht belohnt werden. Fälle wie die des Herrn Ortseifen - ex Vorstand der IKB - der die Bank an die Wand fährt und mit einer 7-stelligen Abfindung plus Pension von € 30.000 p. Monat entlassen wird, während ein 50-jähriger Prokurist der Bank chancenlos auf dem Arbeitsmarkt ist und Hartz 4 als Perspektive hat sprengt die grenzen des Anstands.

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06. April 2008 13:58

@Ulrich Hilß (ulrichhilss)

Andreas Neubert (Citizen_Kane)

Nicht nur zu viel Gleichheit ist schädlich für eine Gesellschaft (siehe ehemalige sozialistische Staaten) sondern auch eine zu große Ungleichheit. Gesellschaften sind dann am stabilsten, wenn man den sensiblen Gleichgewichtszustand zwischen Eigenverantwortung und(!) sozialer Verantwortung richtig austariert.

"Manche lernen es nie!"

Wir sollten in der Tat aus der Geschichte lernen. In der ehemaligen DDR gab eine Elite von einigen wenigen die der Mehrheit erkärte, warum es ihr angeblich besser gehen soll wenn es ihr schlechter geht. An diesem Punkt sind wir heute wieder angekommen, freilich unter umgedrehten Vorzeichen. Langfristig lassen sich aber alle Menschen nicht für dumm verkaufen. Der SED-Staat ist irgendwann von der Realität eingeholt worden, andauernder ideologischer Rechtfertigungen der Herrschenden zum Trotz. Heute gibt es in unserer Republik auch wieder eine Kaste an Herrschenden die uns erklärt, warum es angeblich zu unserem besten ist wenn es uns schlechter geht. Langfristig ist die Praxis aber immer stärker als die Theorie. Da macht auch unser System keine Ausnahme. Scheitern ist kein Vorrecht sozialistischer Systeme, darüber sollten wir uns im klaren sein.

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06. April 2008 12:11

Warum immer so undifferenziert Herr Hank?

Andreas Neubert (Citizen_Kane)

"Die Sehnsucht nach Gleichheit"

Den wenigsten geht es in dieser Diskussion um Gleichheit sondern um Verhältnismäßigkeit. Die Kritik an extrem ungleichen Löhnen immer mit dem Argument zu begegnen, man wolle Gleichheit ist nichts als Populismus. Nochmal: Es geht nicht(!) um Gleichheit, es geht um Verhältnismäßigkeit(!).

Wenn ich den einen Millionen zahle während andere trotz Vollzeitarbeit sich vom Amt durchfüttern lassen müssen, dann führt das langfristig zu gesellschaftlich unstabilen Verhältnissen. Und das ist keine rein(!) ökonomische Frage. Auch wenn das einigen immer schwerer fällt zu verstehen: Ja, es gibt auch Dinge die diese Welt zusammenhalten und nichts(!) mit Ökonomie zu tun haben.

Das Topmanager mit Millionensalären diesen Zusammenhang nicht verstehen ist paradox, da doch immer gesagt wären, sie seien so kompetent. Wie aber steht es um die soziale Kompetenz? So viel soziale Kompetenz, diese sozialen Zusammenhänge verstehen zu können, muss ich zu diesen Gehältern erwarten können.

Herr Hank kann hier diese zuspitzende Entwicklung so lange legitimieren wie er will. Langfristig wird er von der sozialen Realität eingeholt werden. Das Leben (und die Menschen) sind stärker als jede theoretisierende Ideologie.

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06. April 2008 11:13

Der Illusions-Traum von der Gleichheit

Karlheinz Wiechel (wiechk)

Gleichheit , Gerechtigkeit , Freiheit: Schöne Illusionen und Ziele. Näherungen an , Balance zwischen diesen Idealen kann, sollte man anstreben. Aber wie ? In der Wirtschaft, der Marktwirtschaft , nicht der Planwirtschaft , ist das anstrebbar nur über Gesetze. Und wer macht die wie ? Die Parlamente im Kuhhandel : Gibst Du mir , gebe ich Dir ! Genau so werden in den grossen und mitbestimmten Unternehmen die Gehälter der Top-Manager festgelegt. Der dafür zuständige Aufsichtsrat ist in seiner Zusammensetzung von Vertretern der Eigentümer und Beschäftigten beschickt. Wo bleiben die öffentlichen Stimmen des Protestes der Arbeitnehmervertreter ? Wo ? Sie sind doch auch Nutzniesser dieses Systems, auch hier Kuhhandel. Die Verlogenheit diese Protestierer macht die ganzen Proteste der Gewerkschaften und ihrer Mitläufer so wirkungslos. Es geht denen doch nur um Macht , nicht um die betroffenen Menschen.
Um dies zu ändern und zu verbessern wäre Gesetze denkbar. Aber auch möglich?
Der Traum von der Mitbestimmung ist trotz gültiger und weitgehend guter Gesetze
ausgeträumt: Dies beweisen die bejammerten Gehälter der Top-Manager und gekauften Arbeitnehmervertreter , s. VW etc. .

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06. April 2008 10:47

Die oben,

Ricky Janisch (KingBuzzo1)

gegebenenfalls ne neue Niere aus Asien (it´s the economy, stupid!).
Die unten sterben 10 Jahre früher nach Jahrzehnten von Arbeit, die gerade das Überleben ermöglicht.

Die, die aufräumen und ausbaden, was die Kapitalisten an verkürztem Erfolgsdenken in der Birne haben.

Das ist bzw. war die Vision der Eliten.

FG

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06. April 2008 06:36

Der Wirtschaftsjoker: Die Globalisierung

Harry LeRoy (Cimon)

Wann immer das liebe Volk etwas Wirtschaftliches nicht begreifen mag und fordert die liebe Politik solle dagegen einschreiten, schallt es aus der Wirtschaftsecke: Globalisierung. Denn mit der Globalisierung (zumal niemand so genau wei0, was das eigentlich ist, die Globalisierung) lässt sich alles rechtfertigen: Von höheren Preisen zum selbstzerstörerischen Ausverkauf der industriellen Basis an so fragwürdige Länder wie China bis hin zu hohen Gehältern für unsere Nieten in Nadelstreifen. Schlimm nur, wenn das liebe Volk von solchen Praktiken lernen würde und beispielsweise bei der Bankenkrise auch Globalisierung rufen würde, anstatt mit Milliarden Steuergeldern den Kredithaien ihr Dasein zu fristen.

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06. April 2008 02:40

Vorstände entscheiden doch mittelbar selbst über ihr Gehalt!

Walther Schmidt (silitoe)

Meines Erachtens liegt das Problem darin, dass es keine wirksame Kontrolle der Gehälter gibt. Die Vorstände sitzen gleichzeitig in den Aufsichtsräten, bzw. wissen, dass sie später in den Aufsichtsräten sitzen werden. Vorstand und Aufsichtsrat sind eine mehr oder weniger geschlossene Gruppe. Beide sind sich darüber einig, dass ihre Leistung ganz besonders schwierig ist und daher ein hohes Gehalt verdient. Die Aktionäre haben keinen Einfluss und können dies nur abnicken. Die Situation ist ähnlich der Situation der Bundestagsmitglieder, die ebenfalls selbst über ihr Gehalt entscheiden (müssen).

Problematisch ist m. E. übrigens nicht, wenn ein Vorstand ein Millionengehalt erhält. Allerdings muss dies auch auf von den Aktionären nachvollziehbaren Erfolgskennzahlen und nicht lediglich auf dem Aktienkurs beruhen.

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05. April 2008 23:30

Eigentümer?

Hans-Ulrich Müller (humueller)

Es ist schon interessant von Herrn Rainer Hank den Satz zu lesen: "Die Eigentümer müssen wieder die Macht in ihren Firmen übernehmen". Gerade die FAZ und besonders Herr Rainer Hank schreiben seit Jahren heftig gegen mittelständische, inhabergeführte Kleinunternehmen an, nämlich Apotheken. Hier ist Herrn Hank seit Jahren der schuftende Firmeninhaber, der mit seiner Existenz für alles haftet, ein Dorn im Auge. Die Konzerne werden auch hier Oligopole mit exorbitanten Managergehältern schaffen. Dann spätestens wird auch Herr Hank merken, welche guten Arbeitsplätze wieder einmal im Austausch mit ausgedünntem Service (Post!) weggefallen sind.

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05. April 2008 21:51

Hilflos

gisbert heimes (gisbert4)

Die Sehnsucht nach Gleichheit ist es nicht. Eher könnte man vermuten, daß es Neid ist. Doch das ist es auch nicht, Neid ist nur der Zwillingsbruder des Prinzips 'Auch-haben-wollen-und-wenn-möglich-noch-mehr', das schließlich unsere Ökonomie antreibt.

Es ist der Ärger, der Ärger über Eliten, die ihrer Rolle nicht gerecht werden und die Hilflosigkeit gegenüber einem System, welches diesen Zustand stützt. Zu fürchten ist dabei, daß der Ärger mal wieder in Wut umschlagen könnte.

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05. April 2008 21:23

"Ungleichheit und Gerechtigkeit"

Ingo Knitto (krugo)

so lautet der Titel einer Vortragsreihe, die zurzeit an der Uni Frankfurt gehalten wird. Da kann sich der Autor ja mal ernsthaft damit beschäftigen, ob die Beiträge, die Ökonomen zu diesem Thema machen, wirklich so "dürftig" sind.

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