Managergehälter

Die Sehnsucht nach Gleichheit

Von Rainer Hank

05. April 2008 Mit knapp 600.000 Euro ist Metro-Chef Eckhard Cordes der ärmste unter den Vorstandsvorsitzenden im Dax. Das ist das Ergebnis einer neuen Gehälterliste. Muss man sich um Herrn Cordes Sorgen machen angesichts der gut 14 Millionen Jahreseinkommen, die Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann ausweist? Nicht wirklich. Cordes hat erst im November 2007 sein Amt angetreten. 600.000 Euro verdient er also in zwei Monaten. Obendrein erhält er als Vorstandschef der Haniel-Holding ein zusätzliches Jahreseinkommen, welches nicht veröffentlicht wird, aber gewiss auch nicht knapp ausgefallen sein dürfte.

Warum kriegen manche Leute schon für einen Tag Arbeit mehr Geld als viele andere Menschen nicht einmal in einem ganzen Jahr? Anthony Atkinson, der britische Altmeister der ökonomischen Ungleichheitsforschung, hat diese Frage gestern den im slowenischen Brdo versammelten europäischen Finanzministern gestellt. Schuld daran tragen der technische Fortschritt und die Globalisierung, so lautet die gängige Antwort. Denn Fortschritt und Globalisierung haben zur Folge, dass weniger produktive Aufgaben besser von den Maschinen oder Fertigungsstätten in Asien oder Osteuropa übernommen werden. Um mithalten zu können, müssen die Preise für einfache Arbeit in den Ländern der OECD fallen. Die Schere zwischen hohen und niedrigen Einkommen öffnet sich.

Die 60er Jahre waren das Jahrzehnt der Egalität

Das ist nicht nur für jene Menschen bitter, die sich noch an die Jahre der Nachkriegszeit erinnern. Zwischen 1962 und 1973, dem goldenen Jahrzehnt der Egalität, war die Einkommensungleichheit in Deutschland so gering wie selten. Während freilich in den angelsächsischen Ländern schon seit den achtziger Jahren die Löhne am unteren Ende fallen und die Ungleichheit zunimmt, haben die Europäer auf dem Kontinent sich zunächst dafür entschieden, die weniger produktiven Menschen in die Arbeitslosigkeit zu schicken und vom Sozialstaat zu alimentieren. Erst zaghaft entwickelte sich hierzulande seit den 90er Jahren ein - staatlich subventionierter - Niedriglohnbereich. Zusammen mit rückläufigen Reallöhnen trug dieser dazu bei, dass die Arbeitslosigkeit zurückgeht. Offenbar bleibt uns nur die Wahl zwischen stagnierenden Löhnen und höherer Arbeitslosigkeit, jedenfalls so lange, als wir unser Wachstumspotential nicht signifikant verbessern können.

Das erklärt freilich noch lange nicht die Explosion der Managergehälter, welche in viel größerem Maße zur Einkommensungleichheit beitragen als die Niedriglöhne. Bis heute bleiben die Antworten, welche die Ökonomen feilbieten, dürftig. Sind Topmanager ähnlich knapp, und müssen sie deshalb ähnlich teuer sein wie Cecilia Bartoli und Anna Netrebko? Ist das Risiko, gefeuert zu werden, das Vorstände heute auf sich nehmen, größer als früher? All diese Erklärungen befriedigen nicht. Womöglich haben die Spitzenverdiener in den vergangenen Jahren ihre Macht nur derart trickreich ausgebaut und die Eigentümer der Firmen, die ihre üppigen Gehälter bezahlen, clever um den Finger gewickelt.

Eigentümer an die Macht

Man kann das alles tränenreich beweinen oder moralisch bekämpfen. Besser ist es, daraus Konsequenzen zu ziehen, die allerdings mit Blick auf das untere und obere Ende der Ungleichheitsskala unterschiedlich ausfallen. Fortschritt und Globalisierung begegnet man mit Bildung, mit nichts als Bildung - und Arbeit schaffenden Niedriglöhnen (das Gegenteil der Mindestlöhne) für jene, die den Bildungsanforderungen nicht gerecht werden. Das Mittel gegen exorbitante Managergehälter heißt anders: Die Eigentümer müssen wieder die Macht in ihren Firmen übernehmen.

Text: F.A.S.
Bildmaterial: F.A.Z.

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