ARD und ZDF

Staatsauftrag im Internet

Von Holger Steltzner

06. Juni 2008 Mit Macht und Geld drängen ARD und ZDF ins Internet. Die öffentlich-rechtliche Expansion in das neue Medium wird von Landespolitikern wie dem Ministerpräsidenten Beck aus Rheinland-Pfalz unterstützt. Scheinbar sorgt er sich um die „Qualität“ der elektronischen Medien. Tatsächlich möchten er und andere Politiker auch im Internet in der ersten Reihe sitzen, so wie in den Aufsichtsgremien von ARD und ZDF.

Finanziert wird das Ganze aus Zwangsgebühren, die Jahr für Jahr steigen, weil die Sendeanstalten ihre Finanzwünsche einfach selbst ermitteln. Dieser sich selbst nährende Kreislauf hat mit 7,5 Milliarden Euro jährlich den mit Abstand teuersten Staatsfunk der Welt geschaffen.

Immer weniger Leute gucken Staatsfernsehen

Das Internet bedroht die vormals feste Struktur gegenseitiger Abhängigkeit aus TV-Aufsicht und TV-Auftritt. Immer weniger Leute gucken Staatsfernsehen, vor allem junge Menschen nutzen stärker das Internet. Ähnlich geht es Zeitungs- und Zeitschriftenverlagen, die darunter leiden, dass junge Leute seltener zu Zeitung oder Magazin greifen.

Deshalb sind Verlage schon länger im Internet mit anspruchsvollen Nachrichtenportalen vertreten, um dort nachwachsende Leser zu erreichen. Mit publizistischem Erfolg, wie hohe Nutzerzahlen auch für journalistisch hochwertige Portale belegen. Doch ohne wirtschaftlichen Erfolg, weil im Internet für Nachrichten kein Geld bezahlt wird und die Werbekundschaft lieber für Anzeigen in der Suchmaschine bezahlt.

Das geht weit über den Programmauftrag für das Fernsehen hinaus

Angesichts des schnell steigenden Altersdurchschnitts der Zuschauer von ARD und ZDF ist es verständlich, dass die öffentlich-rechtlichen Sender ebenfalls im Internet vertreten sein wollen. Das sollen sie auch dürfen, aber nur mit programmbegleitenden Texten. ARD und ZDF aber wollen mehr. Sie planen ein umfassendes Angebot: die geschriebene Reportage zum Fußballspiel, die Analyse samt Leitartikel zur Wahl.

Das geht weit über den Programmauftrag für das Fernsehen hinaus. Aus guten Gründen gibt es keine öffentlich-rechtliche Zeitung; aus denselben Gründen sollte es auch im Internet ein staatliches Nachrichtenportal nicht geben. Die Verlage könnten gegen ein solches mit Gebührenmilliarden finanziertes Angebot nicht gewinnen. Sie fordern gleiche Chancen für alle. Wenn deutsche Politiker dafür nicht sorgen, muss sich die EU-Wettbewerbskommissarin darum kümmern.

Text: F.A.Z.

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