Leitzinsen

EZB in Zugzwang

Von Benedikt Fehr

10. April 2008 Als die Teuerungsrate im Euro-Raum im vergangenen Herbst über zwei Prozent stieg, sprach Jean-Claude Trichet, der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), noch von einem vorübergehenden "Inflationsbuckel". Weit gefehlt: Zwar hat sich die Konjunktur abgekühlt, doch der Ölpreis ist weiter gestiegen und hat nun ein Rekordhoch erreicht. Nicht zuletzt deshalb ist die Inflationsrate im März auf 3,5 Prozent gesprungen, einen Höchststand seit Bestehen der EZB.

Die Notenbank bringt das in Zugzwang, wächst doch die Gefahr, dass die Bürger bei Lohnabschlüssen und sonstigen Preisverhandlungen mit dauerhaft höheren Inflationsraten kalkulieren. Das aber brächte die Preisspirale erst recht in Schwung, wie Trichet warnt. Damit es nicht so weit kommt, muss die EZB energisch gegensteuern. Sie hat derzeit keinen Spielraum, den Branchen und Exporteuren, die unter der konjunkturellen Abkühlung, dem teuren Öl oder der Aufwertung des Euro auf Rekordhöhen leiden, durch eine Zinssenkung Rückenwind zu verschaffen. Der Rekord bei der Inflation ist von allen das größte Übel. Das Vertrauen der Bürger in Preisstabilität zu sichern hat deshalb Vorrang.

Text: F.A.Z.

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