Von Holger Appel
17. Dezember 2007 Sensationell, was man mit politischen Eingriffen in das Wirtschaftsleben anrichten kann. Der Bundestag schafft mittels Einführung von Mindestlöhnen der Deutschen Post Konkurrenz vom Hals. Deren Chef gerät in der Folge in Erklärungsnot, weil er Aktienoptionen just in dem Moment zu Geld macht, in dem der grüne Konkurrent der gelben Post die weiße Fahne hisst. Darauf hört man von der Post, selbige sei bereit, einige von Pin entlassene Mitarbeiter einzustellen, und fragt sich: Wieso braucht sie diese Leute plötzlich?
Bezahlen werden den verhinderten Wettbewerb jedenfalls die Kunden und die künftig arbeitslosen Pin-Briefträger, doch das ist der durch Schlagworte wie Ausbeutung und soziale Gerechtigkeit beglückten Volksseele egal. Der rote Arbeitsminister Olaf Scholz triumphiert, gestärkt durch Umfragen, 75 Prozent der Deutschen wollten Mindestlöhne, während Mahnungen diverser Fachleute und endlich aufgeschreckter Politiker, 9,80 Euro dürften nicht zur Richtschnur werden, weitgehend ungehört verhallen. Als Nächstes ist die Zeitarbeit fällig, jene Branche, die in jedem Wirtschaftszweig tätig ist und am Aufschwung so großen Anteil hat. Ja sind denn (fast) alle irre geworden?
Text: F.A.Z., 17.12.2007, Nr. 293 / Seite 11