Finanzinstitute

Die ideale Landesbank

Von Hanno Mußler

18. November 2008 Bundesländer und Sparkassen haben es als Eigentümer versäumt, die seit 2001 absehbar notwendige Neuausrichtung der Landesbanken entschlossen anzugehen. Da nun vor allem Landesbanken Rettungshilfen des Bundes benötigen, kommt die Bundesregierung ins Spiel. Sie sollte Landesbanken so lange Bundeshilfen verweigern, bis sie mutmaßlich tragfähige Geschäftsmodelle durchgesetzt hat. Denn schon vor der Finanzkrise hat mit Ausnahme der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) und der Helaba keiner der sechs Landesbank-Konzerne gut funktioniert.

Die Frage nach der idealen Landesbank, zumindest nach tragfähigen Geschäftsmodellen, stellt sich, seit die EU-Kommission den öffentlich-rechtlichen Kreditinstituten 2001 einen Wettbewerbsvorteil genommen hat: Seit Juli 2005 müssen Landesbanken ohne Staatsgarantien auskommen, wenn sie Geld am Kapitalmarkt einkaufen. Anstatt die Landesbanken kleiner auszurichten, weil nun bestimmte Geschäfte nicht länger möglich sind, haben Landespolitiker und Sparkassenfunktionäre in den Verwaltungsräten das Gegenteil befördert.

Die Landesbanken haben zu wenig Kunden

Landesbanken durften von 2001 bis 2005 in großem Umfang Kapital aufnehmen. Bis 2015 haften die Steuerzahler noch für Schulden in dreistelliger Milliardenhöhe, die Bayern LB, LBBW, West LB, Nord LB, HSH Nordbank und Helaba damals gemacht haben. Was von dem Geld mangels Kunden nicht als Kredit verliehen werden konnte, landete am Kapitalmarkt - zum Beispiel in Island und in strukturierten Wertpapieren (ABS). Weil in vielen Landesbanken dieses beschönigend "Kreditersatzgeschäft" genannte Treiben umfangreicher ist als das Kreditgeschäft, ist die Bankenkrise in Deutschland vor allem eine Krise der Landesbanken.

Jede der 450 kommunalen Sparkassen braucht eine Zentralbank, die ihre Kunden im Ausland betreut, Anlagen zur Altersvorsorge entwickelt, Liquidität im Sparkassen-Verbund sammelt und Kreditrisiken ausgewogener zwischen den Sparkassen verteilt; eine solche Landesbank aber brauchen die Sparkassen nicht sechsmal, sondern nur einmal. Kein Wunder, dass sie sich seit 1989 für Landesbankfusionen einsetzen. Bisher sind die Sparkassen jedoch meist an den politischen Erwägungen der Landesregierungen gescheitert.

Das ist aus Effizienzgründen bedauerlich. Gleichwohl sind Fusionen kein Allheilmittel. Sie lösen nicht das Problem, dass Landesbanken zu wenig Kunden haben. Es ist kein Zufall, dass LBBW und Helaba, die beiden einzigen halbwegs erfolgreichen Zentralbanken, Privatkunden haben, in Stuttgart und im Ballungsraum Rhein-Main selbst Sparkasse sind und regionales Firmenkreditgeschäft betreiben. Zwar werden nicht alle Banken, die jetzt das ohnehin seit Jahren margenschwache Firmenkreditgeschäft wiederentdecken, damit glücklich werden. Doch ohne eine größere Zahl Firmenkunden, deren Inhaber der Bank idealerweise auch die private Vermögensplanung überlassen, sind Landesbanken ähnlich wie die gescheiterten amerikanischen Investmentbanken zu stark vom Kapitalmarktgeschäft abhängig. Außerhalb des Rhein-Main-Gebiets und Stuttgarts haben die Sparkassen allerdings den Landesbanken den Eintritt in diese von ihnen als eigene Domäne empfundenen Mittelstands- und Privatkundenmärkte verhindert. Das sollte sich ändern.

Die Landesbanken sind überdimensioniert

Eine dem Idealmodell nahe kommende Zentralbank ist die genossenschaftliche DZ Bank. Sie ist für 1200 Volksbanken zuständig, im Mittelstandsgeschäft nicht abstinent, aber zugunsten der Ortsbanken im Zweifel verzichtend. Sie hat 4000 Mitarbeiter. Jeder der sechs Landesbank-Konzerne ist für weniger Ortsbanken zuständig, beschäftigt aber mindestens die gleiche Zahl an Mitarbeitern. Das lässt erahnen, wie überdimensioniert die Landesbanken sind.

Auch deshalb suchen viele Landesbanken händeringend nach weiteren Geschäftsfeldern, um ihre Kapazitäten besser auszulasten und damit zu rechtfertigen. Die HSH Nordbank sieht ihre Aufgabe in der Schiffsfinanzierung; das Geschäft drängt sich für diese Landesbank wohl nur wegen des Firmensitzes in Hamburg auf. Warum die Nord LB sich auf Flugzeugfinanzierungen stützt, erschließt sich gar nicht. Dass die Bayern LB in Osteuropa Chancen sucht, ist allein wegen des lange Jahre attraktiven Geschäftsgebietes verständlich.

Unverständlich bleibt, warum die Eigentümer - Sparkassen und Bundesländer - die Landesbanken nicht daran gehindert haben, diese Risiken einzugehen. Lange wurden die Bankvorstände gefeiert, wenn die Bilanzsummen stiegen. Selbst die bonitätsstarke LBBW aber muss nun nach den Übernahmen in Sachsen und Rheinland-Pfalz erkennen, dass Größe nicht stabiler, sondern anfälliger macht.

Bislang geht Standortpolitik vor Betriebswirtschaft

Kurzum: Die Landesbanken sind, gemessen an ihrem Kundengeschäft, zu groß. Sie müssen schrumpfen, daran führt kein Weg vorbei. Je stärker sie sich dabei mit den Sparkassen verbinden, desto größer sind ihre Zukunftschancen. Dennoch, und das suchen die Ministerpräsidenten bislang zu verhindern, fielen Tausende Arbeitsplätze in den Landeshauptstädten weg, wenn plötzlich Betriebswirtschaft vor Standortpolitik ginge. Doch nur dafür darf es Hilfe vom Bund geben.

Text: F.A.Z.

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