Siemens Schmiergeldskandal

Wo ist Pierer?

Von Carsten Knop

21. April 2008 Heinrich von Pierer steht unter Druck. Und er weiß kaum noch, wie er ihm begegnen soll. In seinen Augen ist das, was er sagt, die Wahrheit: dass es keine systematische Bestechung bei Siemens gab. Dass es sich um Einzelfälle gehandelt hat, die abgestellt wurden. Die Aussagen anderer, die das Gegenteil behaupten, und die auf mehr oder weniger undurchsichtigen Wegen an die Öffentlichkeit gelangen, hält er für üble Nachrede. Weit ist Pierer nicht mehr davon entfernt, eine Verschwörung gegen ihn zu vermuten. Was aber ist zu tun? Hilft der gesunde Menschenverstand noch weiter? Oder hat der Umfang des Schmiergeldskandals jede Dimension der menschlichen Vorstellungskraft gesprengt? Nein, das hat er nicht. Pierer ist es einer ganzen Generation junger Manager, die zwei Jahrzehnte zu ihm aufgeschaut hat, und den Mitarbeitern von Siemens schuldig, reinen Tisch zu machen. Er muss endlich alles sagen, was er weiß. Das damit verbundene Risiko, das ihm derzeit so hoch erscheint, ist nicht größer als das des fortgesetzten Schweigens. Immerhin, zu den jüngsten Vorwürfen hat er sich geäußert. Aber es muss mehr kommen. Und - jedenfalls moralisch - mehr als ein: Ich war es nicht.



Text: F.A.Z.