Kommentar

Zeitarbeit in der Zange

Von Heike Göbel

05. Dezember 2007 Jetzt ist die Zeitarbeit dran. Gleich von zwei Seiten wird diese letzte Flexibilitätsreserve des deutschen Arbeitsmarktes in die Zange genommen. Daheim macht die SPD, ermuntert von ihrem Siegeszug beim Mindestlohn, tagtäglich mehr Druck, um der Zeitarbeit den wirtschaftlichen Vorteil zu rauben. In Brüssel bedrängt der zuständige EU-Kommissar Vladimir Spidla Deutschland, endlich einer EU-Vorgabe zuzustimmen, nach der Leiharbeiter schon nach sechs Wochen in einem Unternehmen den gleichen Lohn und die gleiche Rechte wie Festangestellte bekommen sollen.

Wie lange die Union dem doppelten Anlauf wohl standhält? An Argumenten und eindrucksvollen Zahlen für die Zeitarbeit mangelt es nicht. In Deutschland, wo unbefristete Arbeitsverträge oft schwerer aufzulösen sind als eine Ehe, zögern Unternehmen selbst im Aufschwung mit Neueinstellungen.

Der Zeitarbeit verdanken in diesem Konjunkturzyklus Hunderttausende eine Beschäftigung. Rund 3,4 Millionen Arbeitslose warten noch auf ihre Chance. Kommt nach dem Mindestlohn nun das Aus für die Zeitarbeit, werden die Schwächeren unter ihnen auf der Straße bleiben. Ist das der neue „vorsorgende Sozialstaat“ der SPD?

Text: F.A.Z.

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