Von Andreas Mihm
21. November 2007 Die Ärzte gehen, anders als im vergangenen Herbst, nicht mehr auf die Straße. Doch es wäre ein Fehlschluss, daraus abzuleiten, dass nun wieder alles im Lot ist.
Das ist es nicht. Die Unzufriedenheit mit Arbeitsbedingungen, Einkommen und Bürokratie ist ungebrochen hoch, und zwar in Krankenhäusern wie in freier Praxis. Viele Mediziner frustriert darüber hinaus, dass sie auf kurze Sicht keine Besserung ihrer Lage erkennen.
Gesundheitswesen im Umbruch
Im Wahljahr 2009 sollen die Honorare der niedergelassenen Ärzte um mindestens 2,5 Milliarden Euro angehoben werden. Die Regierung hat sogar angedeutet, dafür höhere Beiträge in Kauf nehmen zu wollen. Doch kann heute niemand halbwegs verlässlich sagen, welches Ergebnis die Verhandlungen bis dahin erzielen werden.
Das gesamte Gesundheitswesen befindet sich im Umbruch, entsprechend groß sind die Unsicherheiten - auch bei den Medizinern. Sie spiegeln sich auch in dem Bemühen von Haus- und Fachärzten, die Reihen zu schließen, um möglichst viel für die eigene Klientel herauszuschlagen und sich neue Betätigungsfelder auf Kosten anderer Mitspieler zu erschließen. Mehr Ruhe verspricht das alles nicht. Aber Unruhe kann auch produktiv sein.
Text: F.A.Z., 21.11.2007, Nr. 271 / Seite 11