Bertelsmann

Status quo in Gütersloh

Von Marcus Theurer

05. Dezember 2007 Die Mohns machen keine halben Sachen. Vor anderthalb Jahren nahmen die Familieneigner des Gütersloher Medienkonzerns Bertelsmann 4,5 Milliarden Euro in die Hand, um einen Minderheitsgesellschafter auszubezahlen, der ansonsten den Börsengang des Unternehmens erzwungen hätte. Jetzt wollen die Mohns offensichtlich die RTL Group - den wichtigsten Gewinnbringer von Bertelsmann - von der Börse nehmen.

Die Familie misstraut dem Aktienmarkt so sehr, dass sie erwägt, gut 1,2 Milliarden Euro auszugeben, um auch die restlichen rund 10 Prozent RTL-Aktien zu kaufen. Wie schon der Rückkauf der Bertelsmann-Aktien wäre dieser Milliardenaufwand wirtschaftlich fragwürdig; Geld für Investitionen würde dadurch weiter verknappt. Schon der Aktienrückkauf hat die Schulden nach oben getrieben. Warum wollen die Bertelsmänner in dieser Situation einen Milliardenbetrag ausgeben, um die RTL Group, die sie mit einem Anteil von rund 90 Prozent ohnehin fest im Griff haben, ganz zu kaufen? Gibt es im Bertelsmann-Reich keine lohnenderen Investitionsmöglichkeiten als die in den Status quo? So schlecht ist es um den Unternehmergeist in Gütersloh hoffentlich nicht bestellt.



Text: F.A.Z., 05.12.2007, Nr. 283 / Seite 24