Kommentar

Koalition unterwegs

14. März 2006 In Sonntagsreden wird das deutsche Gesundheitssystem nicht nur ob seiner medizinischen Qualitäten gelobt, sondern auch, weil es eine der rar gewordenen Wachstumsbranchen ist.

Mehr als vier Millionen Menschen finden hier Beschäftigung, gut zehn Prozent des Bruttoinlandsproduktes werden in Kliniken, Arztpraxen und Pharmafirmen erwirtschaftet. Die Aussichten für die Branche sind gut: Die Nachfrage nach ihren Gütern wird zunehmen. Bleibt sicherzustellen, daß sich die Kunden die Gesundheitsprodukte von morgen auch werden leisten können. Billiger wird die Gesundheitsversorgung vermutlich nicht werden. Zwei Aufgaben muß die anstehende Reform des Gesundheitssystems daher lösen: Sie muß dafür sorgen, daß die Ausgaben durch möglichst viele wettbewerbliche Elemente begrenzt werden. Und sie muß die Finanzierung der Gesundheit endlich vom Arbeitsvertrag entkoppeln, damit nicht länger jede Anhebung des Beitragssatzes zur gesetzlichen Krankenversicherung Arbeitsplätze kostet.

Deshalb ist jede Überlegung lobenswert, die einen Weg weg von der starren lohnabhängigen Beitragsfinanzierung hin zu einem möglichst variablen Prämienmodell weist. Je weiter, je besser. Doch mag in einer großen Koalition allein das Offenhalten von Optionen für eine spätere Reform bei gleichzeitiger Stabilisierung der Finanzlage schon als Erfolg gelten.



Text: ami., F.A.Z., 14.03.2006, Nr. 62 / Seite 13