Versorgungslücke

Die Strompreistreiber

Von Andreas Mihm

17. März 2008 Auch wenn die nun von der Deutschen Energieagentur bestätigte Stromlücke in Deutschland groß ist, die Lichter werden so schnell nicht ausgehen. Was passiert, ist Folgendes: Die Knappheit in der Erzeugung wird die Preise weiter steigen lassen.

Alte Kohlekraftwerke bleiben länger als geplant am Netz. Das ist schlecht für die Umwelt, denn sie stoßen mehr Kohlendioxid aus als neue Anlagen, gegen deren Bau ironischerweise Umweltgruppen und Anwohner lauthals protestieren. Das ist schlecht für die Verbraucherpreise, denn die Erzeuger müssen viele teure Zertifikate zukaufen. Das ist auch schlecht für den Wettbewerb, denn neue Anbieter zögern angesichts der vielfältigen Ungewissheiten Investments heraus oder sagen beschlossene Projekte ab.

Das zementiert die heutige Angebotsstruktur zugunsten von Eon, RWE, Vattenfall und EnBW, deren (Atom-)Anlagen länger am Netz bleiben werden. Mehr Wettbewerb wird so auf dem deutschen Strommarkt jedenfalls nicht erzeugt. Auch das ist Folge einer kurzsichtigen, interventionistischen Politik, die vorgibt, die Umwelt zu schützen, Preise zu senken und Versorgungssicherheit zu garantieren. Am Ende steht sie mit leeren Händen da.



Text: F.A.Z.