16. April 2007 pwe. Im Aufschwung steigen die Steuereinnahmen schneller, als es Bundesfinanzminister Peer Steinbrück lieb ist. Der Minister fürchtet zu Recht, dass er die Begehrlichkeiten seiner Kabinettskollegen nicht hinreichend kontrollieren kann, und legt zwei staatlich finanzierten Wirtschaftsforschungsinstituten informell nahe, nicht so viel Positives über die finanzielle Entwicklung zu verbreiten. Ein solcher Vorgang gehört zum politischen Alltagsgeschäft und wäre eigentlich nicht der Rede wert. Unabhängige Wissenschaftler nehmen solche Versuche der Beeinflussung sportlich und lassen sich nicht den Mund verbieten. Doch endet die Geschichte hier nicht. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin (DIW) hat nach der politischen Intervention dem kritisierten Mitarbeiter untersagt, sich gegenüber Medien zu äußern, weil man sich um Aufträge des Ministeriums sorgt. Mit diesem Maulkorb hat DIW-Präsident Klaus F. Zimmermann seinem Institut einen Bärendienst erwiesen. Staatlich finanzierte Forscher wandeln immer auf dem schmalen Grat zwischen Auftragsarbeit und unabhängiger wissenschaftlicher Erkenntnis. Um so wichtiger ist es, dass sie auch nur den Anschein vermeiden, sie würden dem politischen Druck ihrer Finanziers nachgeben. Diese Sensibilität lässt das DIW vermissen. Wer will die Analysen aus Berlin künftig noch ernst nehmen?
Text: F.A.Z., 17.04.2007, Nr. 89 / Seite 11