Niederlande

Bildung statt Stütze

Von Michael Stabenow

28. Dezember 2007 In den Niederlanden soll es nach dem Willen der Regierung keine jugendlichen Sozialhilfeempfänger mehr geben. Es verdient Respekt, dass die Haager Politiker beim Kampf gegen die gesellschaftliche Ausgrenzung Jugendlicher politisches Neuland betreten wollen, indem sie öffentliche Gelder, die bisher zur Alimentation der jungen Erwachsenen dienen, nutzen, um ihnen einen Job oder zumindest eine Ausbildung zu ermöglichen. Dies ist der beste Weg, um jüngeren Menschen Perspektiven auf eine berufliche und damit persönliche Zukunft zu eröffnen.

Ob das Kalkül aufgeht, muss sich jetzt erweisen. Zahlen über die Kosten und den Nutzen des Experiments hat die Haager Regierung nicht vorgelegt. Das ist allerdings ohnehin kein leichtes Unterfangen, da sich schon die reinen Kosten eines im jugendlichen Alter begonnenen Daseins „auf Stütze“ nicht allein auf die Höhe der Sozialhilfesätze reduzieren lassen. Wem in jungen Jahren der Einstieg ins Berufsleben nicht gelingt, der wird sich später nicht leichter tun. Insofern geht es in den Niederlanden durchaus um Hilfe zur Selbsthilfe. Aber eben auch um unerkundetes politisches Neuland.

Text: F.A.Z., 28.12.2007, Nr. 301 / Seite 11

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