Von Jürgen Dunsch
12. Dezember 2007 Das Immobiliendebakel in den Vereinigten Staaten schüttelt die Großbank UBS kräftig durch. Schon war gestern eine der Schweizer Gratiszeitungen mit der Schlagzeile auf dem Markt UBS knapp am Abgrund vorbei“. Aber die Bank steht nicht am Abgrund und könnte sich auch ohne die neuen Investoren aus Singapur und aus dem Golf aus ihrem Tief winden. So viel aber ist richtig: Der Lack ist ab von der UBS, das Erfolgsmodell der Fusion vor zehn Jahren entzaubert.
Marcel Ospel ist Teil des Problems
Am 8. Dezember 1997 verkündeten Bankgesellschaft und Bankverein ihr Zusammengehen zur UBS. Fast genau zehn Jahre später musste die Bank am Montag eingestehen, dass sie in diesem Jahr wohl den ersten Verlust ihrer jungen Geschichte schreiben wird. Konzernschmied Marcel Ospel, Teil des Problems, sucht Zuflucht in der Aussage, er wolle Teil der Lösung sein.
Das Debakel ist gewaltig. Mit Subprime-Abschreibungen von insgesamt 14,4 Milliarden Dollar befindet sich die UBS in schlechter Gesellschaft mit der Citigroup, die 17 Milliarden Dollar abschreiben muss, und Merrill Lynch (acht Milliarden Dollar) in den Vereinigten Staaten und weit vor der Deutschen Bank, die ihre Wertkorrektur bisher auf 3,2 Milliarden Dollar begrenzen konnte.
Problem Amerika
Die Abfolge der Ereignisse stimmt nachdenklich. Vor der UBS stand in der Schweiz der Konkurrent Credit Suisse jahrelang in der Versagerecke. 2006 gelang der Befreiungsschlag. Seitdem segelt die Credit Suisse mit einem guten Wind, obgleich auch hier die Hypotheken-Krise zu Abschreibungen von knapp zwei Milliarden Dollar im dritten Quartal führte. Fast nahtlos hat die UBS die Credit Suisse als Verursacher schlechter Botschaften abgelöst. Dabei gibt es eine Gemeinsamkeit: In beiden Fällen war es das Investmentbanking, das diese Banken nach unten zog. Hinzu kommt, dass sich beide in den Vereinigten Staaten schwertun. Die UBS verdient dort trotz großer Investitionen bis heute kaum Geld.
Die Schlussfolgerung liegt nahe: Vor allem die UBS beherrsche das Investmentbanking im Grunde genommen nicht und sollte sich davon trennen. Als größter Vermögensverwalter der Welt mit Kundendepots im Gesamtvolumen von mehr als drei Billionen Franken (1,8 Billionen Euro) dürfe er sich seine Geschäfte nicht durch die unsicheren und im Erfolgsfall teuren Kantonisten aus der Investmentbank verderben lassen. Der Berg an Abschreibungen für Drohverluste – 4,4 Milliarden Dollar im Oktober, weitere zehn Milliarden Dollar jetzt – wird diese Diskussion befeuern. Die beiden Schweizer Großbanken halten dem entgegen, die Geschäfte beider Sparten befruchteten sich.
Warnzeichen ignoriert
Ohne Zweifel hat die UBS nach der Gründung ihre Aufholjagd im damals unterbelichteten Investmentbanking teuer bezahlt. Kaum ein Rückschlag kam mit so langer Ankündigungsfrist über die Banken wie das amerikanische Immobiliendebakel. Als schon überall die Warnzeichen aufleuchteten, machte die UBS weiter – in der Hoffnung, noch rechtzeitig den Ausstieg zu schaffen. Jetzt hat sie den Schaden. Doch was für einen großen Vermögensverwalter wie zum Beispiel Julius Bär in Zürich maßgeschneidert sein mag, muss für viel größere Institute wie UBS und Credit Suisse nicht unbedingt passen. Um ihren Apparat in der Vermögensverwaltung am Laufen zu halten, brauchen sie wohl das Investmentbanking. Eine ganz andere Frage ist, ob diese Sparte nicht sehr viel enger geführt und stärker auf das Kundenprofil in der Vermögensverwaltung ausgerichtet werden muss. Im Eigenhandel der Investmentbank mit den Märkten zu atmen kann einem schnell die Luft rauben.
Es gehört zu den Merkwürdigkeiten der UBS-Krisenbewältigung, dass es ausgerechnet zwei der vielgeschmähten Staatsfonds sind, welche die Schweizer Großbank in ihrer Schleuderfahrt stabilisieren. Investoren aus der Privatwirtschaft waren offenbar weder willens noch finanziell in der Lage, der UBS so rasch beizuspringen. Die Staatsfonds mit ihren tiefen Taschen sehen die Krise als Chance, als Gelegenheit zum Einstieg. Dies zeigt, wie renditeorientiert auch diese Anleger handeln. Es wird spannend sein zu sehen, ob die neuen Aktionäre auf Dauer passiv bleiben. Bisher hatte die Bank keinen aktiven Großaktionär, das Management konnte unter dem Verwaltungsratspräsidenten Ospel weitgehend ungehindert schalten und walten. Dies könnte sich in den kommenden Jahren mit dem Großaktionär Singapur ändern. Ein Sitz im Verwaltungsrat ist ihm schon sicher.
Verteufelung der Staatsfonds ist fehl am Platz
Das Engagement des Stadtstaates ruft Kritiker auf den Plan. Singapur glänzt nicht gerade mit einer Demokratie nach westlichen Maßstäben. Das gilt allerdings ebenso für China und die Golf-Staaten. Dessen ungeachtet sind solche Länder schon mit 35 Milliarden Dollar in westlichen Banken und anderen Finanzdienstleistern vertreten. Darüber hinaus steht der fernöstliche Finanzplatz in Konkurrenz zur Schweiz. Verteufelung ist gleichwohl fehl am Platz, gerade die UBS hat sich in Singapur schon stark engagiert. Jetzt wirft der Staatsfonds seinerseits Anker in Zürich. Ihm muss daher am Wohlergehen auch dieses Finanzplatzes gelegen sein.
Die Staatsfonds sehen die Krise als Chance, als gute Gelegenheit zum
Einstieg.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP, dpa
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Hamburg hält Hapag-Lloyd mit viel Staatsgeld fest
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