19. März 2009 Mit aller Macht stemmt sich die amerikanische Notenbank Federal Reserve gegen die Krise. Die Währungshüter um den Vorsitzenden Ben Bernanke überschwemmen die Wirtschaft mit frischem Geld in der Hoffnung, dass dadurch die ins Stocken geratene Kreditvergabe an Haushalte und Unternehmen wieder in Gang kommt. Sie wissen, dass ein Ende der Rezession und ein tragfähiger Konjunkturaufschwung ohne ein funktionierendes und stabiles Finanzsystem nicht möglich sind.
Als vor Jahren die amerikanische Wirtschaft nach dem Zerplatzen der High-Tech-Blase an den Börsen schon einmal am Rande einer Deflation stand, wurde in der Finanzwelt darüber diskutiert, welche Möglichkeiten die Geldpolitik habe, einen solchen, die Wirtschaft lähmenden Rückgang des allgemeinen Preisniveaus zu verhindern. Bernanke, damals gewöhnliches Mitglied im Direktorium der Fed, argumentierte, die Notenbank sei auch dann keineswegs machtlos, wenn der Leitzins auf null Prozent gesenkt worden sei. Sie könne in großem Stil langfristige Anleihen kaufen, um das Geldangebot auszuweiten und die Inflation anzuheizen.
Genau das ist es, worum sich die Fed unter Führung Bernankes nun bemüht: Der Leitzins beträgt seit Ende des vergangenen Jahres wenig mehr als null Prozent, und so treibt die amerikanische Zentralbank die Notenpresse über den Kauf von festverzinslichen Wertpapieren an. Dabei handelt es sich größtenteils um Anleihen, die mit Forderungen aus Hypothekendarlehen oder anderen Verbraucherkrediten abgesichert sind. Die Fed wird aber in den kommenden Monaten auch amerikanische Staatsanleihen mit langen Laufzeiten für bis zu 300 Milliarden Dollar kaufen und damit einen Teil jener Schulden finanzieren, die die Regierung für das fast 800 Milliarden Dollar teure Konjunkturpakets aufnehmen muss.
Die Stabilität des Dollar ist in Gefahr
Hinter alledem verbirgt sich eine der wichtigsten Lehren der Großen Depression, die Amerika in den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts erschüttert hat: dass eine restriktive Geldpolitik und damit ein schrumpfendes Geldangebot die Krise verschärfen und ihr Ende hinauszögern.
Gleichwohl birgt der Kurs, den die Federal Reserve nun steuert, ganz erhebliche Risiken. Sie liegen nicht nur in möglichen Marktturbulenzen zu jenem Zeitpunkt, an dem die Fed die Anleihen des Schatzamtes in Washington wieder verkauft. Auch die Stabilität des Dollar ist in Gefahr, wie der Sprung des Goldpreises und der Kursrutsch zu Euro und anderen Währungen kurz nach der Entscheidung vom Mittwoch klar gezeigt haben.
Mehr noch: Indem die Fed Staatsschulden monetisiert, gefährdet sie ihre Unabhängigkeit noch weiter. Schon die Verschiebung von einer Kreditgeberin der letzten zu einer der ersten Instanz und die Rettungsaktionen für die Investmentbank Bear Stearns und den Versicherungsriesen AIG haben den politischen Druck vergrößert, dem die Währungshüter ausgesetzt sind. Die Unabhängigkeit der Geldpolitik von politischer Einflussnahme ist aber ein hohes Gut, das nicht leichtfertig aufgegeben werden darf. Eine Fed, die sich in den Dienst von Regierung und Kongress stellen ließe, wäre für die Stabilität des Geldwertes und damit für die Wirtschaft fatal.
Bernanke sollte sich nicht von Greenspan in die Irre führen lassen
Zugleich ist es nicht zu spät, jetzt schon Lehren aus der Krise zu ziehen, obwohl sie noch nicht zu Ende ist. Bernanke sollte sich nicht von der Argumentation seines Vorgängers Alan Greenspan in die Irre führen lassen, der im Kurs der Geldpolitik der vergangenen Jahre keine Ursache der aktuellen Misere sieht. Es kann kein Zweifel bestehen, dass die Fed unter Greenspan die Zinsen zu lange zu niedrig gehalten hat und zu viel Geld in den Wirtschaftskreislauf gelangen ließ. Dieses Übermaß an Liquidität schlug sich zwar einige Zeit nicht in einer höheren Verbraucherpreisinflation nieder; dafür floss das Geld zu einem Großteil auf den Häusermarkt und trieb dort die Preise in atemberaubender Geschwindigkeit in die Höhe. Diese Vermögenspreisblase ist nun zerplatzt und hat der amerikanischen wie der Weltwirtschaft eine der schwersten Krisen beschert.
Zu den großen Herausforderungen, nicht nur für die Fed, sondern auch für andere Notenbanken, zählt der künftige Umgang mit Vermögenspreisen. Ein gewisses Maß Demut ist hier notwendig, denn auch kluge Währungshüter können eine Blase auf dem Markt für Immobilien oder andere Werte nicht sicher diagnostizieren. Das Ansteuern eines spezifischen Preis- oder Kursniveaus verbietet sich darum.
Doch die Zeiten, in denen Ökonomen und Währungshüter meinten, eine vernünftige Geldpolitik betreiben zu können, ohne Geld als Variable in ihre Gleichungen einzusetzen, sollten vorüber sein. Der aktuelle Kurs der Fed ist das beste Eingeständnis dafür, dass ein Zusammenhang zwischen Geldangebot und Preisstabilität besteht. Bernanke darf daher den Zeitpunkt für die notwendige Richtungsänderung nicht verpassen, will er verhindern, dass die nun ausgebrachte Saat für die nächste Blase aufgeht. Die Fed muss dann genauso entschlossen und kreativ handeln wie heute. Denn am ehernen Grundsatz der Geldpolitik ändert die Krise nichts: Nur knappes Geld ist gutes Geld.
Der Kurs, den die
amerikanische
Notenbank steuert, birgt ganz erhebliche Risiken.
Text: F.A.Z.
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| Name | Kurs | in % |
| DAX | 5.844,44 | −1,00% |
| TecDAX | 815,75 | −0,86% |
| MDAX | 7.404,38 | −0,33% |
| SDAX | 3.547,55 | −0,36% |
| REX | 378,27 | +0,22% |
| Eurostoxx 50 | 2.891,66 | −1,19% |
| Dow Jones | 10.308,30 | −1,27% |
| Nasdaq 100 | 1.778,27 | −1,25% |
| S&P500 | 1.096,08 | −1,18% |
| Nikkei225 | 10.163,80 | −0,13% |
| EUR/USD | 1,4350 | +0,01% |
| Rohöl Brent Crude | 73,17 $ | −0,07% |
| Gold | 1.117,00 $ | −1,80% |
| Bund Future | 123,44 € | +0,67% |