Bankenkrise

Ackermann und der Staat

Von Gerald Braunberger

Gerald Braunberger

Gerald Braunberger

18. März 2008 Josef Ackermann ist kein Manager, der dramatische Worte leichtfertig wählt. Sein Hinweis, in der gegenwärtigen Finanzkrise funktionierten die Selbstheilungskräfte des Marktes nicht mehr und die Banken seien auf die Hilfe der Notenbanken und Regierungen angewiesen, lässt ahnen, wie ernst die Lage ist. Auch Bundesfinanzminister Steinbrücks Wort von der „schwersten Finanzkrise der letzten Jahrzehnte“ legt den Schluss nahe, dass den guten Nachrichten vom Dienstag – zwei amerikanische Investmentbanken legten bessere Quartalsergebnisse vor als erwartet – bald Hiobsbotschaften folgen könnten.

Ackermann fordert staatliche Hilfe auf zweierlei Weise. Zum einen sollen die Notenbanken weiterhin großzügig Geld zur Verfügung stellen, um die Zahlungsfähigkeit der Banken sicherzustellen. Interessanter und weitreichender ist Ackermanns zweite Forderung. Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank hält es für notwendig, das Übel an der Wurzel zu packen und den amerikanischen Immobilienmarkt, der in einer tiefen Krise steckt, zu stabilisieren. Einen solchen Versuch könnte nach Lage der Dinge nur die Regierung in Washington unternehmen – und zwar nicht mit Worten, sondern mit (viel) Geld.

Der Steuerzahler soll geradestehen

Was Ackermann verklausuliert ausdrückt, lässt sich direkter sagen: Die Regierung soll mit dem Geld der Steuerzahler die Banken aus ihrer misslichen Lage befreien, in die sie sich, von ungehemmter Gewinngier getrieben und ohne notwendige Rücksicht auf Risiken, selbst gebracht haben. Wobei anzumerken bleibt, dass die Deutsche Bank noch relativ gut dasteht, weil sie mehr Risikobewusstsein an den Tag gelegt hat als viele Konkurrenten.

Ackermanns Wünsche werden wohl in Erfüllung gehen. Die Notenbanken stützen das Bankensystem schon seit Monaten mit erheblichen Beträgen und werden das vermutlich weiter tun. Zudem scheint die amerikanische Regierung tatsächlich zu überlegen, den notleidenden Immobilienmarkt zu stützen. Ob das nachhaltig gelingt, ist eine andere Frage.

Immer die gleichen Argumente

Die Begründung für Staatseingriffe während Finanzmarktkrisen ist immer die gleiche: Der Kollaps großer Banken müsse vermieden werden, weil ansonsten ein Vertrauensverlust drohe, der die gesamte Branche erfassen und weitreichende wirtschaftliche und politische Konsequenzen nach sich ziehen könne. Wie die deutsche Bankenkrise des Jahres 1931 lehrt, sind solche Befürchtungen nicht unbegründet.

Dennoch dürfen sich Ackermann und seine Kollegen nicht wundern, wenn die Öffentlichkeit mit einer Mischung aus Wut, Unverständnis und Häme reagiert. Das sichere Wissen, in einer Krise vom Staat gerettet zu werden, erlaubt es Banken und anderen Finanzhäusern, in guten Zeiten Geschäfte ohne ausreichendes Risikobewusstsein zu betreiben – Geschäfte, die nicht zuletzt für die Spitzenleute äußerst einträglich sind.

Die Rettungsaktionen schaden dem Ansehen der Finanzbranche

Es hat nichts mit Sozialneid zu tun, daran zu erinnern, dass erfolgreiche Bankmanager zweistellige Millionenbeträge im Jahr verdienen, erfolgreiche Manager von Hedge-Fonds und Private-Equity-Häusern sogar noch viel mehr. In solchen Zeiten gerieren sich Bankmanager als Advokaten freier Märkte. Droht das Kartenhaus der Spekulation zusammenzubrechen, sollen Notenbanken und Steuerzahler sie heraushauen. Dem Staat bleibt im Interesse des Gemeinwesens nichts anderes übrig, als das zu tun. Für das Ansehen der Finanzbranche sind solche Rettungsaktionen jedoch fürchterlich. Dass nun nach Regulierung gerufen wird, hat sie sich selbst zuzuschreiben.

Wenn es gutgeht, wollen die Banken vom Staat nichts wissen. In der
Krise soll er sie retten.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z.

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2009.
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