16. Juni 2008 Asien-Analysten haben ein altes Gespenst wiederbelebt: die Furcht vor einer neuen Asien-Krise. Der Blick geht dabei zurück auf den Sommer 1997, als Spekulanten die Einheitsfront fester Wechselkurse zunächst in Thailand brachen. In einer Kettenreaktion fielen die aufgeblähten Währungen, Aktienkurse und Immobilienpreise fast überall in Asien. Das Ausland zog sehr schnell sehr viel Geld aus der Region ab. Viele Menschen verarmten. Die überraschende Wirtschaftskrise Vietnams ruft dieses Schreckensszenario wieder hervor. Dort ist die Inflationsrate am höchsten, doch galoppiert sie auch im übrigen Asien. Von China bis Indien geben die Börsenkurse nach.
Doch eine neue Asien-Krise droht nicht, zumindest keine, die mit der früheren vergleichbar wäre. Denn Asien im Jahr 2008 ist nicht das Asien von 1997. China war damals gerade auf den Wachstumspfad eingeschwenkt, Indiens Aufschwung stand noch bevor, Südostasiens Wachstum war durch spekulative Gelder aufgebläht, die Strukturen waren fragil. Die Länder der Region hatten sich im westlichen Ausland hoch verschuldet, sie waren abhängig von dessen Wohlwollen. Ihre Währungen hatten sie fest an den Kurs des Dollar gebunden.
Stabil, aber gefährdeter als die Wachstumsraten vermuten lassen
Heute sieht Südostasien ganz anders aus. Das Bankensystem ist stärker als damals. Regierungen und Zentralbanken arbeiten enger zusammen. Hohe Handelsüberschüsse verleihen allen Ländern Asiens Stärke, Krisen abzuwehren. Regierungen trauen sich – wie zu Wochenbeginn in Malaysia und Indien –, Subventionen auf den Ölpreis abzubauen, selbst auf die Gefahr hin, dass das Volk auf die Straße geht. Die Handelsbeziehungen untereinander haben sich vervielfacht. Und die Zentralbanken erhöhen wacker die Zinsen, erst am Mittwoch in Indien.
Wahr aber ist auch, dass Asiens Volkswirtschaften gefährdeter sind, als die derzeitigen Wachstumsraten von sechs, acht oder zehn Prozent vermuten lassen. Beispiel Indonesien: Das größte muslimische Land der Erde braucht mindestens ein Wachstum von fünf Prozent des Bruttoinlandsproduktes, will es seine Arbeitskräfte in Lohn und Brot bringen. Stehen sie auf der Straße, droht politisches Ungemach mit dem Risiko, dass sich Auslandsinvestoren abwenden.
Vietnams Volkswirtschaft bleibt überhitzt
Zentralbankiers und Politiker stecken in einem Dilemma: Die mit durchschnittlich 7,4 Prozent in Asien (ohne Japan) überschießende Inflation zwingt sie zum weiteren Anheben der Zinsen. Fällt aber – wie erwartet – der Ölpreis, steigt zeitgleich die Reisernte, dürfte der Inflationsdruck relativ schnell nachlassen. Die sprunghaften Preissteigerungen sind manchmal durch ein verknapptes Angebot hervorgerufen. Steigt das Angebot nur bei wenigen Gütern, wird die Inflationsrate auch in Asien rasch fallen. So trägt auf den Philippinen oder in Thailand der Preisanstieg von Treibstoff und ausgewählten Lebensmitteln mehr als die Hälfte zur Inflationsrate bei, in China liegt deren Anteil bei rund 90 Prozent.
Kühlt sich dann auch noch die Nachfrage aus Übersee ab, bildet sich für die Exportstaaten ein perfekter Sturm“ heraus, wie einige Banken warnen. Die Unternehmen litten unter teurem Geld und einer schwachen Ausfuhr. Die Menschen protestierten noch lauter als jetzt. Wegen dieser Sorgen erhöhen Asiens Zentralbanken die Zinsen gemächlicher als notwendig. Vietnam indes hat das Zögern weit übertrieben. Die Regierung hat lange nur die soziale Stabilität im Blick gehabt, die Risiken einer Überhitzung verdrängt. Mit 14 Prozent des BIP verzeichnet die Sozialistische Republik den höchsten Zustrom an Auslandsinvestitionen aller Schwellenländer. Nun müht sich die Regierung, die wirtschaftliche Katastrophe abzuwenden. Inzwischen haben die Kreditbewertungsagenturen das Mekong-Land deutlich herabgestuft, die Börsenkurse verloren seit Jahresbeginn mehr als die Hälfte ihres Wertes, die Inflationsrate steht bei 26 Prozent. Die Zentralbank hat den Außenwert des Dong um zwei Prozent gegenüber dem Dollar abgewertet, seit Ende März hat er nun fünf Prozent eingebüßt. Zugleich schraubte sie die Kreditzinsen auf 14 Prozent herauf. Das wird nicht reichen. Vietnams Volkswirtschaft bleibt überhitzt. Auf dem Schwarzmarkt wird die Währung mit einem weiteren Abschlag von 30 Prozent gehandelt.
Politische Unruhen bremsen ökonomische Entscheidungen aus
Die Zentralbank in Vietnam hat viel zu spät und zu schwach eingegriffen. Dass die Krise Vietnams indes in einem Dominoeffekt auf das restliche Asien überspringt, ist unwahrscheinlich. Bislang deutet mehr darauf hin, dass der plötzliche Einbruch den benachbarten Regierungen eine Warnung sein könnte. Es bleiben aber vor allem zwei Risiken: Zum einen, dass die Energiepreise weiter steigen; zum anderen, dass wachsende politische Unruhen ökonomische Entscheidungen ausbremsen.
Asiens Währungshüter steht ein Parforce-Ritt bevor. Sie müssen die Inflation bekämpfen, selbst wenn ihren Regierungen dies mit Blick auf das Wachstum nicht passt. Wer sich durchsetzt, ist ungewiss. Kein Wunder, dass erste Banken den Anlegern raten, ihre Aktien in den Schwellenländern zu verkaufen. Das ist klug. Heute vor einer zweiten Asien-Krise zu warnen, erscheint indes überzogen.
Text: F.A.Z.
Asien wartet nicht auf ![]()
Frauenquote für Spitzenpositionen
EU-Stabilitätspakt: Deutschland muss bis 2013 Defizit drücken
| Name | Kurs | in % |
| DAX | 5.692,90 | +1,42% |
| TecDAX | 764,89 | +1,60% |
| MDAX | 7.303,62 | +1,63% |
| SDAX | 3.488,56 | +0,11% |
| REX | 373,56 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.894,85 | +1,34% |
| Dow Jones | 10.324,10 | +0,75% |
| Nasdaq 100 | 1.789,95 | +0,95% |
| S&P500 | 1.093,01 | −0,01% |
| Nikkei225 | 9.871,68 | +0,01% |
| EUR/USD | 1,5027 | +0,29% |
| Rohöl Brent Crude | 78,51 $ | +1,30% |
| Gold | 1.101,50 $ | −0,63% |
| Bund Future | 121,57 € | +0,06% |