Double Falshood or The Distrest Lovers heißt das Verwechslungsdrama, das ein Bearbeiter schon 1727 als ein Werk des großen Shakespeare ausgab. Niemand glaubte ihm. Jetzt ist bewiesen: Der Mann hatte Recht. Von Gina Thomas, London
Das New Yorker Museum of Modern Art ehrt die für ihre extremen Performances berühmte Marina Abramović mit einer Retrospektive. Die Aktionskünstlerin kam persönlich zur Eröffnung und will 700 Stunden im Museum sitzen bleiben. Von Jordan Mejias, New York
Jüngst bat der Papst-Bruder und langjährige Chorleiter Georg Ratzinger die Missbrauchsopfer unter den Regensburger Domspatzen um Verzeihung. Auch ein Blick in die Geschichte des Knabengesangs lehrt, dass Musik keine gewaltfreie Zone ist. Von Eleonore Büning
Tradition ist ihm ein Wert, aber auch Ort voller Gefahren: Der Komponist Dieter Schnebel hat mit Adorno gearbeitet und mit Karl-Heinz Stockhausen - und er hat der Singstimme neue Dimensionen erschlossen. Heute wird er achtzig. Von Gerhard R. Koch
Die Fortsetzung des Phantoms der Oper wurde lange erwartet. Andrew Lloyd Webber verlegt sie in eine spukhaft-surreale Welt an der amerikanischen Ostküste. Und mit dem unverfroren schnulzigen Love Never Dies“ ist ihm ein neuer Musical-Hit geglückt. Von Gina Thomas, London
Er war ein Sänger für schwierige Aufgaben: für die Darstellung komplexer Charaktere. Sein Repertoire war umfangreicher als das aller seiner Fachkollegen: Zum Tod des großen englischen Tenors und Charakterdarstellers Philip Langridge. Von Jürgen Kesting
Er ist einer der einflussreichsten Visionäre der Jazzgeschichte, eine der letzten überlebenden großen Gestalterpersönlichkeiten aus dem vergangenen Jahrhundert: Dem Saxophonisten Ornette Coleman zum Achtzigsten. Von Ulrich Olshausen
Daniel Barenboim ist als Dirigent und Völkerverständiger international in Anspruch genommen. Jetzt gab er in Berlin einen seiner selten gewordenen Soloabende als Pianist - eine große Hommage an den Jahresjubilar Frédéric Chopin. Von Jan Brachmann
Sein Film Das Fest machte ihn berühmt. Jetzt hat der dänische Dogma-Regisseur Thomas Vinterberg eine Fortsetzung für die Bühne geschrieben und am Wiener Burgtheater selbst inszeniert. In Begräbnis lebt das Thema Kindsmissbrauch und Familienhorror weiter. Von Dirk Schümer, Wien
Auf der Suche nach der verlorenen Nase: William Kentridge lässt Schostakowitschs Die Nase spektakulär durch die Met kreisen und bespielt zugleich das MoMA. Das Publikum erlebt keine Operninszenierung, sondern macht eine multimedial Grenzerfahrung. Von Jordan Mejias, New York
Mit einem wahrhaften Furioso stürzt sie sich auf die Koloraturen: Cecilia Bartoli zeigt bei vollem Haus in Frankfurt, welche Leidenschaft in den Arien der Kastraten steckt. Obwohl gesanglich nicht alles stimmt: Ihre Präsenz auf der Bühne ist unwiderstehlich. Von Gerhard Rohde
Ein Dirigent für die ganze Musikwelt: In der Karriere von Lorin Maazel, der schon im Alter von neun Jahren großen Orchestern voranstand, folgte ein Gipfelsturm dem nächsten. Heute feiert er seinen achtzigsten Geburtstag. Von Gerhard Rohde
Sechs Autoren aus Europa, sechs Uraufführungen an Theatern im Ruhrgebiet, sechs Fort- und Umschreibungen der Odyssee, das war die Grundidee für ein Theatervorhaben von handlicher Megalomanie. Die Kulturhauptstadt geht auf Reise. Von Hubert Spiegel
Aribert Reimann zeigt in seiner neuen Oper Medea die Tragödie der Selbstbefreiung einer mutigen Frau - ein Triumph des zeitgenössischen Musiktheaters, ausgerechnet an der Wiener Staatsoper. Von Eleonore Büning