
Bravo, Herr Mortier! Mein Kompliment zu dieser tollen Entscheidung!

Die Erfolge von Mortier sind nicht zu bestreiten, nur es sind leider zu viele! Wie lange wird er bleiben? 5 Jahre vielleicht, um sich dann wieder neuen spektakulären Herausforderungen zu stellen? Ein interessantes Modell ist es allemal, aber es kann keine langfristige Lösung sein, selbst wenn Nike Wagner allein weitermachen würde. Wie im Artikel angeklungen: Wenn Mortier dann weiterzieht, läuft es nicht immer genauso erfolgreich weiter.

Ja, Mortier ist ein erfahrener und erfolgreicher Festspiel-Intendant. Aber auch ein Egomane, der wie ein Halbgott verehrt werden will - vielleicht ist Bayreuth dafür auch das richtige Pflaster. Was aber passiert, wenn man ihm nicht willfahren will, haben die Salzburger Besucher erleben müssen - mit einer Fledermaus voller Wagner-Klänge und faschistoider Inzenierungs-mätzchen, mit denen Freund Neuenfels schon in den Siebzigern niemandem hinterm Ofen hervorlocken konnte - von dem gagenträchtigen Einbau einer Rolle für Freundin Trissenar ganz abgesehen. M. hat dieses Machwerk dann auch als Abschiedsgeschenk für die Undankbaren tituliert.

Ich weiss nicht, wo Frau Spinola ihren Enthusiasmus für die Kandidatur von Mortier betreffend. Abgesehen davon, dass Mortier in der Tat interessante Inszenierungen herbeischafft (aber die gibt es in Bayreuth schon lange), steht er vor allem für musikalisches Mittelmass, das von seinen Protégés wie Sylvain Cambreling produziert wird. Das ganze wird begleitet von mit schwer erträglicher Arroganz vorgetragenem missionarischem Geschwätz. Man muss Mortier zugestehen, dass er ein Haus zu führen weiss (andere können das auch), aber er ist vor allem der Meister darin, das seit 30 Jahren immergleiche als neu, progressiv und subversiv zu verkaufen.