FAZ.NET-Bilderchronik

Weißt du, wie das war? Bayreuth 1951-2005

Mythos “Grüner Hügel“

Mythos "Grüner Hügel"

25. Juli 2006 Die Bayreuther Festpiele 2006 haben begonnen. Seit 1951 Wieland Wagner mit der Entrümpelung begann, hat sich das Festival vielfach gewandelt. Unsere Bilderchronik dokumentiert die spektakulärsten Inszenierungen von 1951 bis 2005.

2005: In Zeitlupe zwischen allen Stühlen

Christoph Marthaler entdeckte im „Tristan“ nur das heillose Aneinandervorbei zweier Menschen, die im angegilbten, mit Stühlen vollgestellten Bühnenbild von Anna Viebrock depressiv nebeneinanderher lieben, bis Tristan, auf einem hydraulischen Krankenhausbett sein Leben aushaucht.

Doch der Langsamkeitsfanatiker Marthaler scheiterte an der genial komponierten zeitlichen Dehnung des „Tristan“ und blieb hinter dem von ihm gewohnten Niveau zurück. Zu einem regelrechten Flop wurde die Premiere aber erst durch die unausgegorene musikalische Leitung von Eiji Oue. An seiner Stelle wird in diesem Jahr daher der altbewährte Peter Schneider dirigieren.

Text: spin./F.A.Z., 25.07.2006, Nr. 170
Bildmaterial: Bildarchiv Bayreuther Festspiele, picture-alliance / dpa, picture-alliance/ dpa/dpaweb

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Bayreuth 2004

Namibische Robben für den obdachlosen Metaphysiker

Szene aus Christof Schlingensiefs “Parsifal“ (2004)

Die vorab beschworenen Tabubrüche Christof Schlingensiefs fanden nicht statt. Namibische Robben, wirres Videogeflimmer, Hasen, Mongoloide und eine barbusige Urmutter fügten sich lediglich zu einem großen, nichtssagenden Verhau.

Bayreuth 2000

Ein großer Wurf ins Leere

Verkrampfte Aktualisierung: Flimms “Ring“ aus dem Jahr 2000

Dem „Jahrhundertring“ von Chereau versuchte man mit einem „Jahrtausendring“ zu begegnen. Der angepeilte große Wurf mit Jürgen Flimm verpuffte jedoch mit ein paar launigen Einfällen in der Beliebigkeit einer verkrampften „Aktualisierung“.

Bayreuth 1993

Auch Wagner braucht mehr Licht

Suggestiv wirkende Regie: Heiner Müllers Inszenierung von “Tristan und Isolde“

Zwei Jahre keine Neuinszenierungen in Bayreuth, fünf Jahre kein "Tristan" und dann dies: Wolfgang Wagner hatte es geschafft, den Dramatiker Heiner Müller für einen "Tristan" zu verpflichten, seine erste Operninszenierung überhaupt.

Bayreuth 1988

Ein moderner Ring mit Restrisiko

Buh-Rufe der Sozialkritik-Verächter für Harry Kupfer in Bayreuth 1988

Harry Kupfers Wagner-Bilderwelt kommt uns so bekannt vor, weil es unsere eigene ist: eine zerborstene Welt, in der wir nur mit Restrisiko leben. Buh-Rufe gab es naturgemäß, von jenen, die wieder sozialkritischen Verrat witterten.

Bayreuth 1982

Ein hundertjähriger Parsifal

Nach der globalen Katastrophe: Götz Friedrichs „Parsifal” von 1982

Es war der Einstand eines später in vielen Bayreuther Aufführungen souveränen Dirigenten: James Levine dirigierte zum Hundertjahrjubiläum einen musikalisch mustergültigen „Parsifal“. Götz Friedrich inszenierte mit viel Sensibilität.

Bayreuth 1981

René Kollo als umjubelter Tristan

Der Baum als szenische Chiffre: “Tristan“ 1981

In Jean-Pierre Ponnelles „Tristan“ 1981 gelang eine bildmächtige Gratwanderung zwischen halbrealistischer Märchenperspektive und abstrakt-symbolischer Tiefendeutung. Wagners „Handlung“ entfaltete sich als Naturmythos, dessen szenische Chiffre ein Baum darstellte.

Bayreuth 1979

Nägel in abstrakter Kunstwelt

Wunder und Realität lassen sich nicht vereinbaren: “Lohengrin“ 1979

Der für seine Nagelplastiken bekannte Künstler Günther Uecker schuf für den „Lohengrin“ eine hermetische, streng- abstrakte Kunstwelt - der passend finsterer Rahmen für die von Götz Friedrich übermittelte pessimistische Botschaft.

Bayreuth 1978

Sigmund Freud inszeniert mit

Brach mit allen Bayreuther Konventionen: Kupfers “Holländer“ von 1978

Mit seiner ersten Arbeit in Bayreuth hat Harry Kupfer 1978, damals noch Chefregisseur in Dresden, einen „Fliegenden Holländer“ inszeniert, der mit allem brach, was man bis dahin auf dem Grünen Hügel in dieser Oper sehen und hören konnte.

Bayreuth 1976

Macht, Geld, Industrie

75 Minuten Dauerapplaus für Chereaus „Ring des Nibelungen”

Es wurde von vielen Wagnerianern als Provokation empfunden: 1876 war das Bayreuther Festspielhaus mit der zyklischen Aufführung des "Rings des Nibelungen" eröffnet worden. Ein Jahrhundert später galt es das Jubiläum zu feiern, und ...

Bayreuth 1972

Der Pilgerchor in Arbeitshosen

1972: Der erste Auftritt des Felsenstein-Schülers aus Ost-Berlin, Götz Friedrich, löste 1972 einen Orkan des Protestes aus. Ein Pilgerchor in Arbeitskluft wurde damals noch als Affront gegen das Festspielpublikum empfunden.

Der erste Auftritt des Felsenstein-Schülers aus Ost-Berlin, Götz Friedrich, löste 1972 einen Orkan des Protestes aus. Ein Pilgerchor in Arbeitskluft wurde damals noch als Affront gegen das Festspielpublikum empfunden.

Bayreuth 1960

Eine Senta mit neunzehn Jahren

Unerwartet viele realistische Details: Der “Fliegende Holländer“ von 1960

Wieland Wagners Inszenierung des „Fliegenden Holländers“ von 1959 wartete im folgenden Jahr mit einer kleinen Sensation auf: die Partie der traumwandlerischen Senta sang die damals erst neunzehn Jahre alte Anja Silja.

Bayreuth 1956

Keine Butzenscheiben mehr

Dies Kreisschräge wird zur Niere: “Die Meistersinger“ von 1956

Die „Meistersinger“ von 1951 verlangten vom neuen Bayreuth natürlich eine entsprechende Antwort: Im Festspieljahr 1956 inszenierte Wieland Wagner das Werk. Fort mit allen Butzenscheiben, aller traulichen Städteromantik.

Bayreuth 1952

Die Kunst der Lichtregie

Die Handlung spielt im Zeitlosen: “Tristan und Isolde“ 1952

Das neue Bayreuth in Reinkultur: „Tristan und Isolde“ völlig entmaterialisiert. Die Handlung spielt im Zeitlosen. Nur ein Zelt ersetzt die Schiffassoziationen im ersten Akt, in der Liebesnacht herrscht allein die damals ungewöhnliche Kunst der Lichtregie.

Bayreuth 1951

Magische Kreise für Parsifal

Fort mit allen Requisiten: Ein neuer Parsifal 1951

Der erste „Parsifal“ im wieder auferstandenen Bayreuth wirkte wie ein szenisches Leitmotiv: Fort mit allen Requisiten. Der Gralstempel wurde mit drei Säulen knapp angedeutet, eindrucksvoll bewegten sich die Chöre zu magischen Kreisen.