
Fabian Bremer schreibt in seinem Artikel „Eine kleine Machtmusik“ vom 21. Mai 2006, die Bayreuther Festspiele seien das „historische Sprungbrett für Berlin“. Diese Formulierung, die er auf die Kontrahenten Barenboim und Thielemann münzt, trifft in mehrfacher Hinsicht nicht: Herbert von Karajan löste den über zwei Jahrzehnte in Bayreuth dirigierenden Furtwängler nicht 1951 ab, er blieb dort Episode. Auch sind die Dirigenten in der Überzahl, die, bereits in Berlin arriviert, nach Bayreuth engagiert wurden: Joseph Keilberth, Eugen Jochum, Karl Böhm, Horst Stein und Otmar Suitner. Einzig Lorin Maazel wurde vier Jahre nach seinem Bayreuth-Debüt nach West-Berlin berufen, eine Intendanz Wieland Wagners scheiterte bekanntlich. Somit war Berlin vielmehr das Sprungbrett für Bayreuth. Zur Klärung der Frage, welcher der beiden Bayreuth-erprobten Kontrahenten zum Zuge kommt, trägt der Sprung in die Geschichte wenig bei.
Holger R. Stunz (Wiesbaden)