Zum Tode Pavarottis

Ein Instinktmusiker par exzellence

Luciano Pavarotti, 1935-2007

Luciano Pavarotti, 1935-2007

06. September 2007 Die Musikwelt trauert um einen der besten Tenöre ihrer Zeit. Zusammen mit Placido Domingo und José Carreras machte er die klassische Musik auch außerhalb der Opernhäuser populär und füllte mit seiner Stimme Stadien. Luciano Pavarotti starb am Donnerstagmorgen im Alter von 71 Jahren (siehe auch: „Seine Stimme war göttlich“: Reaktionen auf Pavarottis Tod).

Kaum ein anderer Tenor hatte eine derartige Bühnenpräsenz wie der Dreizentnermann aus der norditalienischen Stadt Modena, kaum einer war so charismatisch wie er. „Big Luciano“ liebte sein Publikum, er liebte die ganz großen Auftritte, bei denen die Menschen ihm zu Füßen lagen. Immer wieder hat Pavarotti deshalb seinen Bühnenabschied hinausgezögert, genoss noch das Bad in der Menge, als er das hohe C schon längst nicht mehr präzise traf.

Der Gesundheitszustand von Pavarotti hatte sich zuletzt deutlich verschlechtert. Im August war Pavarotti auf der Krebsstation eines Krankenhauses behandelt worden. Im Juli 2006 wurde er in New York wegen Bauchspeicheldrüsenkrebs operiert. Dies zwang ihn, seine Abschiedstournee abzusagen. Er zog sich in seine Villa in Modena zurück und wurde seitdem in der Öffentlichkeit nicht mehr gesehen.

Seinen letzten großen Auftritt hatte Pavarotti bei der Eröffnung der Olympischen Winterspiele im Februar 2006 in Turin, als er noch einmal mit seinem Paradestück „Nessun Dorma“ aus Puccinis Turandot ein Milliardenpublikum begeisterte.

Zwischen Opernhaus und Fußballstadion

Der am 12. Oktober 1935 als Sohn eines Bäckers geborene Pavarotti war 1961 bekannt geworden, als er bei einem internationalen Gesangswettbewerb die Darstellung des Rodolfo aus Puccinis „La Boheme“ gewann. In den folgenden Jahren eroberte er die großen Bühnen der Welt, darunter die Oper von Covent Garden in London und die Metropolitan Opera in New York. Seit den 90er Jahren waren Pavarotti und die Opern-Stars Placido Domingo und José Carreras gemeinsam als „Die drei Tenöre“ erfolgreich.

1990 nutzte das Trio die Fußball-Weltmeisterschaft in Italien zum weltweit ausgestrahlten Auftritt. Der Live-Mitschnitt wurde mit mehr als zehn Millionen verkauften Platten und CDs zum „größten Klassiker-Bestseller der Schallplattengeschichte“.

Pavarottis Ansprünge auf das hohe A und sein zu besten Zeiten über zehn Sekunden gehaltenes hohes C machten ihn zum begehrten Stimmakrobaten in jedem großen Opernhaus. Aber der Tenor sang auch in Fußballstadien und in Parks. Mit Popstars wie Sting, Elton John oder Bon Jovi spielte er auch Rock-Pop-Klassik-Platten ein. Dass Opern-Puristen über solche musikalischen Niederungen die Nase rümpften, störte Pavarotti überhaupt nicht.

Der erfolgreichste der Tenöre

„Mit der Frage, ob Luciano Pavarotti der größte Tenor der letzten fünf Jahrzehnte war, läßt sich die Welt der Melomanen in zwei Lager spalten. Unbestreitbar aber und unbestritten ist, daß er der erfolgreichste war: ein singendes Erotikon und die perfekteste Geldmaschine im Geschäft mit der 'klassischen' Musik“, schrieb Jürgen Kesting in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung über Pavarotti (siehe: Luciano Pavarotti feiert seinen Siebzigsten). „Sein Erfolg beruhte auf der Materialmagie der Stimme und dem ungewöhnlichen musikalischen Instinkt, der Pavarotti zu einer bemerkenswerten Technik verhalf; ohne die wäre diese Karriere, die 45 Jahre dauerte, nicht möglich gewesen.“ Für Kesting war Pavarotti ein „Instinktmusiker par exzellence“, der vor allem in seiner Frühzeit brillierte - nachzuprüfen auf seinen ersten Solo-Platten, „auf denen er die hohen C so lange hielt, dass man selbst beim Hören das Weiße in seinen Augen sieht“.

Zum Abschied Pavarottis von der New Yorker Metropolitan Opera im März 2004 schrieb Jordan Mejias in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung: „Pavarotti war, was in den letzten Jahren bisweilen in Vergessenheit geriet, ein Tenor wie kein anderer in seiner Zeit. In ihrer silbernen Brillanz, ihrer offenen Tongebung und ihrem lyrischen Schmelz war seine gleichwohl metallisch durchschlagende und vergleichsweise voluminöse Stimme unverkennbar, einzigartig.“ (Siehe auch: „Schier unendlicher Atem“: Pavarotti in der F.A.Z.-Kritik)

Text: FAZ.NET
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