Katharina Wagner

Man kann noch nicht sagen: Ja, das klappt

14. April 2008 Katharina Wagner hat nun beste Chancen, mit ihrer Halbschwester Eva die Bayreuther Festspiele zu leiten. Sie begrüßt die neue familiäre Harmonie, will aber noch nicht fragen: Was hast du in deinem Konzept, was hab' ich in meinem? Ein Interview.

Wie erklären Sie sich den Sinneswandel Ihres Vaters?

Aufgrund der veränderten Situation, des Todes meiner Mutter, hat wieder eine Annäherung zwischen meinem Vater und Eva stattgefunden. Ich möchte sagen: Gott sei Dank, denn dafür wurde es wirklich Zeit.

Gab es zwischen Ihnen und Ihrer Schwester schon einen Gedankenaustausch über die Zukunft Bayreuths?

Nein, der Austausch war eher privater Natur. Wir haben festgestellt, dass wir uns gut verstehen und dass wir eigentlich gar nicht so unterschiedlich denken. Aber dass wir jetzt gesagt hätten: Was hast du in deinem Konzept, was hab' ich in meinem Konzept - das gab es noch nicht. Der ausschlaggebende Brief von Minister Goppel kam ja erst am Freitag an, und seine Aufforderung war für uns überraschend. Aber natürlich war auch ihm nicht verborgen geblieben, dass da eine private Annäherung stattgefunden hat. Es gibt eine schwesterliche Affinität.

Gibt es seitdem schon ein Signal von Ihrer Halbschwester, dass sie bereit ist, mit Ihnen über ein Konzept nachzudenken?

Wir haben jetzt erst einmal gemailt und vereinbart, in den nächsten Tagen zu telefonieren. Sie ist sehr beschäftigt, ich bin mitten in meinen Bauproben für den „Rienzi“, der im Oktober am Theater Bremen Premiere haben wird. Es ist nicht so, dass wir jetzt alles stehen- und liegenlassen könnten.

Aber grundsätzlich könnten Sie sich eine Zusammenarbeit vorstellen?

Man kann jetzt natürlich noch nicht sagen: Ja, das klappt. Aber vorstellen kann ich es mir, weil ich das ehrlich gesagt für eine sehr gute Lösung halten würde.

Wie würden Sie sich die Arbeitsteilung vorstellen?

Darüber müssten wir selbstverständlich ausführlich miteinander reden, welche Vorstellungen jede von uns hat.

Sie sagen, der Brief von Minister Goppel kam für Sie überraschend. Aber es gab doch zuvor einen Brief Ihres Vaters an Goppel, den Stiftungsratsvorsitzenden Toni Schmidt und Michael Hohl, den Oberbürgermeister von Bayreuth.

Auch Wolfgang Wagner will sich natürlich bewegen, weil ihm die Zukunft Bayreuths wichtig ist. Und da er gesehen hat, dass es eine private Annäherung auch zwischen uns Schwestern gibt, hat er für diese Konstellation ein positives Signal gegeben, in der Hoffnung, dass wir uns verständigen werden. Natürlich hat mein Vater mit mir über diesen Vorschlag geredet. Und ich finde es gut, dass es jetzt endlich zu einer konstruktiven Diskussion kommt, nach dem, was alles vorgefallen ist in den vergangenen Jahren. Man muss auch sagen, dass die Verantwortlichen sehr viel dafür getan haben, dass es zu dieser Diskussion kommen konnte.

Da scheint es ja schon eindeutige Signalements zu geben.

Offen gesagt: Der Vorschlag ist ja auch nicht unvernünftig. Schauen Sie: So viele Möglichkeiten gibt es nicht, wenn man sich familienintern einigen will. Jeder hat seine Befürworter und seine Gegner.

Eva Wagner-Pasquier hat auch mit Nike Wagner ein Konzept eingereicht.

Mir ist nicht bekannt, dass ein von beiden gebilligtes Konzept eingereicht wurde. Ich habe nur gehört, dass Nike ein Konzept an den Stiftungsrat geschickt hat.

Und Sie kennen es auch nicht?

Nein. Und das finde ich zum jetzigen Zeitpunkt auch besser so. Es wird vielleicht Passagen geben, die sich sachlich ähneln, und daher bin ich im Grunde ganz froh, dass ich es nicht kenne. Somit besteht auch nicht die Gefahr, dass wir uns vorwerfen müssten, voneinander abgeschrieben zu haben. Bayreuth funktioniert nur so, wie es ist. Ich für meinen Teil sehe eine Gefahr darin, zu viel umkrempeln zu wollen. Und das habe ich auch in meinem bisherigen Konzept so vertreten. Eine neue Festspielleitung kann ja faktisch auch gar nicht alles allein durchsetzen. Derzeit ist mein Vater Geschäftsführer und Gesellschafter der Bayreuther Festspiele GmbH. Kommt es zu einer neuen Leitung, dann gibt es vier neue Gesellschafter: Vertreter von Stadt, Land, Bund und den Freunden von Bayreuth. Diese haben dann Mitspracherecht. So einfach kann man also keine Versprechungen machen, nach dem Motto „Bei mir wird alles anders“.

Das Gespräch führte Julia Spinola.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: ddp

 
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