Wagner-Nachfolge

„Ein Projekt von nationaler Bedeutung“

Diese Wagners: Katharina mit Vater Wolfgang in diesem Sommer in Bayreuth

Diese Wagners: Katharina mit Vater Wolfgang in diesem Sommer in Bayreuth

05. November 2007 Vor der Sitzung des Stiftungsrats der Bayreuther Festspiele an diesem Dienstag wird die Frage nach der Nachfolge des 88-jährigen Festspielchefs Wolfgang Wagner immer drängender. Der Vorsitzende der einflussreichen Mäzene „Freunde von Bayreuth“, Karl Gerhard Schmidt, appellierte an diesem Montag an Wagner, von seinem Amt zurücktreten. „Ich würde es im Sinne der Festspiele und der Würde Wolfgang Wagners für richtig halten, wenn er diesen Schritt tut“, sagte Schmidt, der dem Stiftungsrat selbst angehört.

Der 88-jährige Wagner, der einen Vertrag auf Lebenszeit besitzt, ist gesundheitlich stark angeschlagen. Die Richard-Wagner-Festspiele seien derzeit de facto ohne Führung, sagte Schmidt. „Die Situation brennt uns auf den Nägeln und drängt nach einer Lösung.“ Unter den Mäzenen, die sich finanziell stark für die Festspiele engagieren, herrsche große Unruhe.

Aus Berlin und München hört man: nicht diese Drei

Alles andere hätte er abgelehnt, nach Bayreuth will er kommen: Peter Ruzicka

Alles andere hätte er abgelehnt, nach Bayreuth will er kommen: Peter Ruzicka

Der Stiftungsrat verfügt aber kaum über die rechtlichen Mittel, um Wagner zum Rücktritt zu zwingen. Dafür müsste vermutlich festgestellt werden, dass der 88-Jährige nicht mehr geschäftsfähig ist. Dieser Schritt dürfte angesichts von Wagners Lebensleistung - er steht seit 1951 an der Spitze der Festspiele - für niemanden in Frage kommen. Das Gremium muss deshalb ohnmächtig mitansehen, wie Wagners Ehefrau Gudrun (63) die Leitung der Festspiele mehr und mehr übernimmt. Zugleich bringt sich die gemeinsame Tochter Katharina gegen ihre Konkurrentinnen, Wagners Tochter aus erster Ehe Eva Wagner-Pasquier (62) sowie seine Nichte Nike Wagner (62) in Stellung.

Am Wochenende hatte die 29-jährige Katharina einen weiteren Coup gelandet und neben dem Dirigenten Christian Thielemann (48) als dritten Mann den renommierten Komponisten und Kulturmanager Peter Ruzicka (59) mit in ihr Bewerbungsteam geholt. Der frühere Intendant der Salzburger Festspiele soll sich in Bayreuth um die Schnittstelle von Kunst und Geschäft kümmern. „Zu allem anderen als Bayreuth hätte ich Nein gesagt. Aber die Wagner-Festspiele sind ein Projekt von nationaler Bedeutung“, sagte Ruzicka dem „Tagesspiegel“. Katharina sagte der „Bild“-Zeitung: „Dieses Team kann sich wirklich sehen lassen und ist die beste denkbare Lösung für die Festspiele.“

Nur wenn Katharina zur Nachfolgerin bestimmt wird, würde ihr Vater den Weg wohl freimachen. Doch bei den Vertretern des Bundes und des Freistaats Bayern scheint es Vorbehalte gegen diese „Familienlösung“ zu geben. Der Bund wolle sich mit Katharina Wagner auch im Trio mit Thielemann und Ruzicka nicht zufriedengeben, hieß es in Berlin. Nur im Verbund mit Eva Wagner-Pasquier oder Nike Wagner habe Katharina eine Chance. Auch im bayerischen Kunstministerium ist man über die Bewerbungsoffensive von Katharina Wagner nicht allzu glücklich: Für Bayreuth bewerbe man sich nicht in der Zeitung, heißt es dort in Anspielung auf ein Interview mit der F.A.Z. (siehe auch: Katharina Wagner und Christian Thielemann: „Wir haben uns entschieden, gemeinsam anzutreten“), in der sie ihre Bewerbung öffentlich gemacht hatte.

Text: dpa
Bildmaterial: ASSOCIATED PRESS, dpa

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2009.
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte erwerben
Verlagsinformation

Planen Sie Ihren Urlaub einmal etwas anders. Buchen Sie eine abwechlungsreiche Event-Reise im FAZ.NET-Ticketportal!

FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche