
Nur negative Stellungnahmen, obwohl das doch nun nicht gerade die Entscheidung einer einzigen Person gewesen war... Die FAZ hat sich da wohl schon im Vorfeld etwas vergallopiert. Man hätte es wissen müssen, dass Bund, Land, Regierungsbezirk, Stadt, die Gesellschaft der Freunde und "die Familie" in Bayreuth mehr als eine Experimentierbühne sehen... handelt es sich doch um die ältesten Festspiele weltweit mit einer Eigenfinanzierung von über 80% (eine Erweiterung nach oben erscheint in Anbetracht der vielen Beteiligten als nicht sinnvoll...) Dass Wolfgang Wagner (?) dem jungen Regisseur Stefan Herheim die Regie für den Parsifal 08 übertragen hatte - vor (!) dessen Ernennung zum "Regisseur des Jahres 2007" - spricht nicht gegen ihn. Auch waren die Meistersinger 07 von Katharina W. nach Frau Spinola eine Art Geniestreich - wenn auch hier gilt: "De gustibus non est disputandem" Und noch ein Sprichwort: "Si tacuisses...!"

Nun hat der Stiftungsrat, wie erwartet und politisch ausgekungelt, die drittbeste Lösung Katharina und Eva entschieden. Die künstlerisch und dramaturgisch faszinierendere Konstellation Nike/Mortier war "vom Alten" und politisch nicht gewollt. Am Begeisterndsten empfände ich eine gemeinsame Arbeit von Katharina als Jüngster mit Entwicklungsperspektive, der erfahrenen Nike, womit Nachfahren und Geist Wielands und Wolfgangs vertreten wären, sowie für eine Übergangszeit Mortier als dramaturgischem und Thielmann als musikalischem Unterstützer und Erneuerer. Das hätte wirklich zu einem neuen, wieder Maßstäbe setzenden Bayreuth geführt. Schade, eine vom "Rat" verpatzte große Gelegenheit und Herausforderung ist vertan. Aber hoffen wir: Noch losch das Licht nicht aus, noch ward's nicht Nacht über Bayreuth.

Schön wäre gewesen, wenn Julia Spinola einmal Ihre ehrliche Meinung offen gesagt hätte im “3sat Extra” vom 1. September! Natürlich ist es unhöflich und plump, aber eben auch wahr: Katharina Wagner macht (auf mich allein?) einen unseriös-primitiven Eindruck. Ihre Interviews ähneln im Niveau denen von vielen Fußballspielern und sie ist sich nicht zu schade, Boulevardblätter zu bedienen und zu benutzen. Ihre Regiearbeiten sind provokant auf derbste Art und konterkarieren störend die Musik. Weißt Du, was daraus wird? Da reißt das Nornenseil, aber ich wage zu behaupten: Nichts Gutes.

(Nachdem alle ihre Stelle eingenommen, und ein allgemeiner Stillstand eingetreten war, vernimmt man, vom tiefsten Hintergrunde her, aus einer gewölbten Nische, die Stimme des alten Wolfgang, wie aus einem Grabe heraufdringend.) Mein Töchter! Seid ihr im Amt ? etc...

Die Festspiele werden auch weiterhin den Weg in die provinzielle Bedeutungslosigkeit gehen mit veralteten Regierkonzepten. Der große Wurf war das nicht, dafür war wohl zu viel Politik im Spiel von der man keine qualifizierte Lösung erwarten kann. Schade nur, dass man Wolfgang Wagner so "wegloben" musste.

Eine Entscheidung, die in jeder Hinsicht zur Musik Wagners passt. ;-)

...mit der BF Medien GmbH, die zuvor bereits Gegenstand der Berichterstattung der FAZ war? Jegliches Schamgefühl scheint einem Teil des Wagner-Clans offensichtlich zu fehlen.

..and the winner is Wolfgang Wagner Eigentlich sollte die Ära WW am 31.08. enden. Falsch! Sie endet am 1.09.08. Damit ist der Ring frei für die Fortsetzung des Familientheaters. Und die Bühne bleibt die schönste Nebensache dieser absurden Familiensaga. Gérard Mortier ist für die heimische Szene verloren. Ein trauriger Tag!

Die Frage, ob man Katharina Wagner irgendwo in der Welt die Leitung eines auch noch halb so bedeutenden Hauses wie Bayreuth anvertraut hätte hhätte, lässt sich klar mit nein beantworten. Und damit ist zur Entscheidung des Stiftungsrats alles gesagt - Willkommen im fränkischen Bauerntheater.