Entscheidung in Bayreuth

Katharina und Eva leiten die Festspiele

Von Julia Spinola, Bayreuth

Strahlende Siegerinnen: Katharina Wagner (r.) und Eva Wagner-Pasquier

Strahlende Siegerinnen: Katharina Wagner (r.) und Eva Wagner-Pasquier

01. September 2008 Die neuen Leiterinnen der Richard-Wagner-Festspiele in Bayreuth heißen Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier. Dies gab der Stiftungsrat der Bayreuther Festspiele im Anschluss an seine Sitzung am Montag bekannt. Im Stiftungsrat habe es zweiundzwanzig Ja-Stimmen und zwei Enthaltungen gegeben.

In einer Erklärung Nike Wagners, die sich zusammen mit dem Belgier Gérard Mortier um die Übernahme der Festspielleitung beworben hatte, und ihrer Geschwister heißt es: „Außer Zweifel steht, dass der Stiftungsrat nie in die von ihm selbst angeregte Diskussion über die inhaltliche Gestaltung und Weiterführung der Richard Wagner Festspiele Bayreuth eingetreten ist.“ Außerdem habe er „angesichts der Vorausfestlegung des Bundes, des Freistaats Bayern und der Gesellschaft der Freunde von Bayreuth auf die Wahl von Eva und Katharina Wagner“ das gegnerische Konzept „nicht unvoreingenommen geprüft“.

„Fulminanter Vortrag“

Die Sitzung war um 13 Uhr eröffnet worden. Zunächst erhielten die beiden konkurrierenden Parteien Gelegenheit, in jeweils zwanzigminütigen Referaten die Grundaussagen ihrer schon schriftlich eingereichten Konzepte vorzutragen. Wie Bayreuths Oberbürgermeister Michael Hohl betonte, habe Mortier einen „fulminanten Vortrag“ gehalten. Festgehalten wissen wollte Hohl, dass alle Bewerber qualifiziert seien, die Festspiele zu leiten. Mortier habe Hervorragendes in Salzburg und in Paris geleistet. Eva Wagner-Pasquier sei jedoch international ebenso „vernetzt“ wie er.

Katharina Wagner stehe dafür, „frischen Wind“ nach Bayreuth zu bringen. Die Entscheidung sei daher keine Frage der unterschiedlichen Konzeptionen gewesen, sondern eine Frage von unterschiedlichen Terminen, von zeitlichen Abstimmungen und auch eine Frage des Alters. Die Struktur der Festspiele sei bis 2015 in vielen Bereichen festgelegt, erläuterte Hohl. Nike Wagner und Mortier seien dem Stiftungsrat unter diesem Aspekt als zu alt erschienen. Mortier stehe außerdem „mit einem Bein in New York“.

Evas Umzug ist offen

Mortier hatte in seinem Vortrag genau dargelegt, wie sich seiner Ansicht nach die Verpflichtungen in New York mit jenen in Bayreuth problemlos vereinbaren ließen. Die Spielzeit an der New York City Opera umfasse nur vier Monate, in denen acht bis zehn Produktionen, davon die Hälfte Neuproduktionen, herauskämen. An der Opéra de Paris habe er zwei Häuser mit vierunddreißig Produktionen zu bespielen, auch davon die Hälfte Neuproduktionen. „Das ist mehr als New York und Bayreuth zusammen“, sagte er gegenüber dieser Zeitung.

Ob Eva Wagner-Pasquier ihren Vertrag als Leiterin des Festival d'Aix-en-Provence kündigen werde, wollte sie noch nicht bekannt geben. Auch ließ sie offen, ob sie einen Umzug nach Bayreuth erwäge. Zur Arbeitsteilung zwischen ihr und Katharina Wagner sagte sie, Katharina werde sich voraussichtlich vorwiegend um die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit kümmern. Sie selber sei dann in Abstimmung mit Katharina eher für Fragen der Besetzung und für künstlerische Entscheidungen zuständig.

Auf die Frage, ob es Absprachen und Zugeständnisse an Wolfgang Wagner gegeben habe, antwortete Hohl mit einem „klaren Nein“. Aber natürlich habe man sich im Voraus eine Meinung bilden müssen.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP, ddp, dpa, F.A.Z.-Jan Roeder

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