13. Oktober 2005 Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki hat die Vergabe des Literatur-Nobelpreises an den britischen Dramatiker Harold Pinter als eine gute, eine richtige Entscheidung bezeichnet. Die Auszeichnung komme für den 75jährigen allerdings etwas spät.
Pinter sei ein typischer Bühnenautor, der nicht nur bei den Kritikern Erfolg gehabt habe. Sein Werk ist nicht mit dem Rücken zum Publikum geschrieben, sagte Reich-Ranicki in Frankfurt. Pinters Arbeiten charakterisierten vor allem die Darstellung des Alltags einsamer Individuen und das Bild der Bedrohung dieser Individuen durch irgendwelche nicht ganz klaren mysteriösen Elemente und Mächte.
Die österreichische Literaturkritikerin Sigrid Löffler hingegen nannte die Auszeichnung eine bizarre Wahl. Er wäre nicht im entferntesten meine Wahl gewesen, abgesehen davon, dass er démodé ist, sagte sie gegenüber der Nachrichtenagentur dpa.
Beleidigung der Weltliteratur
Sogar eine Beleidigung der Weltliteratur nannte der deutsche Literaturkritiker Denis Scheck die Vergabe. Die Jury habe sich blamiert. Es gibt viele große lebende Autoren, die in diesem Jahr wieder leer ausgegangen sind, sagte er in Köln.
Der tschechische Dramatiker und frühere Präsident Vaclav Havel hat die Vergabe des Nobelpreises an Harold Pinter als absolut verdient bezeichnet. Du weißt gar nicht, wie ich mich freue, schrieb der 69jährige, der mit Pinter eng befreundet ist, am Donnerstag in einem Glückwunschtelegramm.
Große Freude herrscht auch bei der tschechischen Franz-Kafka-Gesellschaft: Die Organisation wird Havel am 26. Oktober in Prag stellvertretend für den erkrankten Pinter den Kafka-Literaturpreis überreichen. Dabei bewies die Kafka-Gesellschaft abermals gutes Gespür: Im vergangenen Jahr entschied sich die Jury im Frühjahr für die österreichische Autorin Elfriede Jelinek, die kurz darauf ebenfalls den Literatur-Nobelpreis erhielt.
Text: FAZ.NET mit Material von dpa
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