25. Juli 2006 Der erste Parsifal im wieder auferstandenen Bayreuth wirkte wie ein szenisches Leitmotiv: Fort mit allen Requisiten. Der Gralstempel wurde mit drei Säulen knapp angedeutet, eindrucksvoll bewegten sich die Chöre zu magischen Kreisen. Die Gralsaue des dritten Aktes wirkte in graublau wie im Weltenraum schwebend. Musiziert wurde eindrucksvoll: Hans Knappertsbusch, damals die Wagner-Autorität schlechthin, dirigierte. Und Martha Mödl als Kundry setzte als grandiose Singschauspielerin für lange Zeit die Maßstäbe für die Partie.
Karajans Bilderbuch
Im ersten Festspieljahr gab es für Altwagnerianer noch eine Nische: Die Meistersinger von Nürnberg wurden vom Münchner Intendanten Rudolf Hartmann in schönster Harmonieseligkeit und Bilderbuchanschaulichkeit inszeniert. Hans Reissinger hatte ihm dazu die Bühnenbilder gebaut. Erlesen war das Ensemble mit Otto Edelmann als Sachs, Hans Hopf als Stolzing und Elisabeth Schwarzkopf als Eva. Der Orchesterpart klang auch schon schlank, knapp artikuliert und voller wunderschöner Farben. Kein Wunder: Am Pult stand Karajan.
Ohne Runen und Bärenfelle
Neben dem Parsifal dokumentierte Wieland Wagners erste Inszenierung des Rings des Nibelungen den Stilwandel des neuen Bayreuth. Der germanische Mythos lieferte nur Materialien für Personen und Situationen. Wieland Wagner sah - ähnlich wie Thomas Mann - im Ring den übergreifenden ewigen Konflikt zwischen Geschichts- und Seelenmächten. Astrid Varnay war eine grandiose Brünnhilde, und der Dirigent Hans Knappertsbusch prägte mit seiner reifen Erfahrung den musikalischen Duktus der Aufführungen.
Text: hd./F.A.Z., 25.07.2006, Nr. 170 / Seite 29
Bildmaterial: Bildarchiv Bayreuther Festspiele
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