Wer wählt die FDP?: Die unbekannten 15 Prozent

Die Konservativen, die Gewerkschaftler, sogar die Arbeitslosen: Viele von ihnen haben liberal gewählt. „Die FDP ist in völlig neue Wählerschichten vorgedrungen“, sagt ein Marktforscher. Doch schon bekommen viele Angst vor der eigenen Courage. Von Melanie Amann und Lisa Nienhaus

Lesermeinungen zum Beitrag

08. Oktober 2009 20:45
Eine kleine Chance für eine kleine Partei...  
Harry LeRoy (Cimon)

Die FDP kann nun nachholen, was ihr die gescheiterte Revolution von 1848/49, Bismarcks Reichstag von 1871 (mit dem dieser den von liberalen beherrschten preußischen Landtag zum Schattenparlament machte) und der jähe Sturz der Weimarer Republik 1933 verweigerte, nämlich eine Volkspartei zu werden, welche mehr ist als die politische Interessenvertretung von Wirtschaftsmächten; denn das ursprüngliche liberale Programm hatte mit der Wirtschaft nur insofern zu tun, dass die Freiheit des Berufs und des Gewerbes einer von vielen Punkten im Programm der Liberalen war. Bringt es die FDP zu mehr als der „unser Land“ und „unser Volk“ Rhetorik des derzeitigen Nichtvorsitzenden, einer klassischen Fehlbesetzung der Parteienhierarchie, so muß dieses Ergebnis nicht ein einmaliger Glückstreffer sein; verletzt die FDP aber die Interessen ihrer neuen Wähler durch marktradikalen Unfug und den blinden Glauben an den Markt, so dürfte sie sich bald wieder auf ihre alte Klientel beschränkt finden... die Chance ist da von der Partei der Besserverdienenden zu einer des Volkes zu werden und das nicht nur rhetorisch; wichtig ist nun vor allem Profil und Breite zu gewinnen und in der Wirtschaftspolitik Augenmaß, Distanz und Neutralität zu zeigen.

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05. Oktober 2009 19:00
Das Wahlergebnis ist nur durch das geltende Wahlrecht in Verbindung mit der  
Marie Gruber (mariluI)

sehr ausführlichen Diskussion bezüglich der Überhang Mandate zu sehen.
Ich habe viele Bekannte gesprochen die alle nur eines wollten schwarz / rot verhindern.
Ja jeder der zuvor die Sonntagfrage im Netz die Umfragen angeschaut hat wußte dass es knapp wird.
Und wir können das doch ganz einfach in Bayern sehen.
Hätte man der CSU 47 % der Zweitstimmen gegeben dann hätte die CSU wieviele Mandate? 45 weil das nämlich 50 % der gültig abgegebenen Stimmen entsprochen hätte.
So aber haben die CSU Abgeordneten alle Direktmandate nämlich 45 errungen und die eben rechnerisch 5 % die FDP gewählt haben zählten so doppelt.
Genau so war das in Hessen oder Sachsen und BW.
Ja jeder konnte taktisch wählen und alles darauf setzen dass schwarz / rot unmöglich. Weil die Leute wollten eine solide gute Ideologie frei Politik.
Und das schöne wir werden es sehen wenn 2013 nach einem neuen Wahlgesetz gewählt wird. Dann bin ich sicher wenn eine solche taktische Stimmenwichtung nicht möglich ist werden die 3 kleineren wieder unter 10 % landen.
Ob die SPD dann dazu gehört muß man abwarten. Gabriel wirds schon schaffen.

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05. Oktober 2009 17:07
Wer wählt die FDP?  
Hans-Dieter Höhn (TRANSAGRO)

So richtig scheinen sich die beiden gerade 30-jährigen Verfasserinnen über die 15 % der FDP nicht zu freuen. Grundton: wie die Überschrift schon aussagt „Die unbekannten 15 %“. Könnte es sein, daß die beiden Damen sich nicht so sehr mit der FDP und ihrer Entwicklung beschäftigt haben?
Die Beschränkung der FDP-Wähler auf Düsseldorfer Handwerker, Frankfurter Geschäftsleute, Yuppies und Latte-Machiatto-Liberale ist ja schon dreist. Ich habe mich jedes Mal gefreut, wenn mir Bekannte sagten, daß sie diesmal aus Überzeugung FDP gewählt hätten. Erfreulich im Bericht der Hinweis auf die 10 % Arbeitslosen-FDP-Neuwähler. Das bedeutet doch, daß diese die Chancen in der von der FDP vertretenen Wirtschafts- und Arbeitspolitik erkannt haben.
Einen faden Beigeschmack hinterläßt der genüßlich vorgebrachte Hinweis auf die Rentner Brüderle (64), v. Solms (69) und Leutheuser-Schnarenberg (50), zumal sie außer von Solms die Rentnerzeit – besonders für Politiker – noch gar nicht erreicht haben. Sonst meinen die beiden Damen, nur noch Westerwelle und Koch-Merin vorzeigen zu sollen. Jenen wohl als Vorsitzenden und diese wegen des früheren Posters als Schwangere. Kein Hinweis auf die junge Riege.
Neukirchen-Vluyn
Hans-Dieter Höhn

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05. Oktober 2009 07:41
@Robert Arnold die Mehrheit hat eine große Koalition gewählt  
Paul Rabe (heidelpaul)

Herr Arnold, sie haben völlig recht. Weder eine neoliberale FDP Politik noch eine 'Links' Politik hat eine Mehrheit bekommen. Eine klare Mehrheit (und zwar mehr als schwarz/gelb) hat eine große Koalition gewählt.

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04. Oktober 2009 13:39
Angst vor der eigenen Courage?  
Ralf Kowollik (InterNETkobold)

Seit wann braucht man "Courage", um FDP zu waehlen? Ich persoenlich finde das Programm der FDP eher gemaessigt und gar nicht radikal. Tatsaechlich gehoerten viele Kernforderungen der FDP (ein schlanker Statt, niedrige Steuern) auch einmal zum Kernprogramm der CDU - bevor Frau Merkel Kanzlerin wurde und anfing, Stueck fuer Stueck alles ueber Bord zu werfen, wofuer die Union einmal stand.
Erinnert sei auch daran, dass die Staatsquote in Deutschland 1960 (auf dem Hoehepunkt des Wirtschaftswunders) noch knapp 33% des BIP betrug - heute sind es, nach vier Jahren Grosse Koalition, wieder fast 50%. Es gibt also viel zu tun, um der Marktwirtschaft in Deutschland wieder jenen Platz einzuraeumen, die ihr zu Zeiten Ludwig Erhards einmal zustand.
Dass eine liberale Partei wie die FDP heute in den Medien als eine "Gefahr fuer den sozialen Frieden" dargestellt wird, zeigt nur, wie weit Deutschland in den letzten Jahren nach links gerueckt ist. Man kann nur hoffen, dass die Freidemokraten in den Koalitionsverhandlungen mit der Union hart bleiben und sich von der Anti-FDP-Kampagne der deutschen Medien nicht einschuechtern lassen.

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04. Oktober 2009 12:24
Was wollen die beiden Authorinnen uns weismachen ?  
thomas schulz (peanutbutter)

Daß das Wahlvolk im Grunde genommen ein Gewohnheitstier ist und ein Teil diesmal nur aufgrund einer außergewöhnlichen Situation aus der Reihe tanzt und jetzt das Muffensausen bekommen hat ? Wenn dies zuträfe, wären die Linken und die Grünen nur temporäre Farbtupfer in der Parteienlandschaft geblieben und längst wieder verschwunden. Da unterschätzen die beiden Damen den tiefsitzenden Groll der Wählerschaft gegenüber den Parteien, die mehr damit beschäftigt sind, die Gesellschaft und ihre Institutionen mit ihren Spezies zu ihrem eigenen Vorteil zu infiltrieren als ihren Job, so gut es unter den gegebenen Umständen geht, zu machen. Wenn man sich das Personal der FDP bis hinunter in die 3. Reihe ansieht, muß man feststellen, die kaum jemand auf ein Abgeordnetenmandat oder Parteiamt angewiesen ist, um wirtschaftlich über die Runden zu kommen. Ihre wenigen in die Jahre gekommenen Berufspolitiker sind nicht am Ball geblieben, weil sie auf die üppigen Diäten bzw. auf die großzügige Alterversorgung schielten oder auf eine lebenslange Anstellung in ihrer Partei spekulierten. Selbst wenn Wechselwähler und Überläufer den Verdacht hegen, daß sie nur ein Wirtschaftslobbyist ist, ist für sie die FDP trotzdem noch das "geringere Übel".

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04. Oktober 2009 11:42
Warum ich auch FDP gewählt habe.  
Franz Müller (mueller1000)

Ich bekenne mich: Ich bin der FDP vor über 1 Jahr beigetreten und habe sie auch dieses Mal gewählt? Warum:
- weil die FDP sich als einzige Partei klar zur Marktwirtschaft, Eigentum und Freiheit bekennt,
- weil die FDP als einzige Partei für die Privatisierung auch der Banken ausspricht (wären die Landesbanken privatisiert worden, wie es die FDP schon Anfang der 90er Jahre gefordert hätte, hätte allein das Bundesland Bayern sich 2008 14 MILLIARDEN Verluste aus der Finanzkrise erspart!),
- weil die FDP nicht kirchenhörig ist wie etwa die CSU in meinem Heimatbundesland Bayern (machmal weiß nicht wer Bayern regiert, die CSU oder die beiden Kirchen),
- weil die FDP für Bürgerrechte eintritt, die CDU und CSU immer weiter einschränken wollen,
- weil die FDP als einzige Partei dafür eintritt, dass Steuern und Abgaben nicht unbegrenzt wachsen können und auch der Staat mal sparen muss.
Natürlich gibt es auch Punkte, wo ich nicht mit FDP-Positionen übereinstimme, aber alles in allem gibt es derzeit keine Partei, die für einen bürgerlichen, arbeitenden Menschen, der Demokratie, Freiheit und Wohlstand dauerhaft gesichert sehen will, eine Alternative zur FDP wäre.

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04. Oktober 2009 11:39
Ein Lob auf das Wahlsystem,......  
wolf haupricht (emilgilels)

das mir ermöglicht, bei verbindlichen Koalitionaussagen meine Stimmen gezielt einzusetzen. Davon habe ich diesmal und viele aus meinem Bekannten-und Freundeskreis bewusst Gebrauch gemacht und sind "belohnt" worden durch das klare Ergebnis. Die FDP ist zudem eine Partei, die klare Positionen seit längerem vertritt und Kurs hält im Gegensatz zur CDU mit ihrem Linksdrall. Ich bin sicher, dass die Union sich bewegen wird, um dem klaren Wählervotum zum Erfolg zu verhelfen. Im Übrigen ist der Bewertung durch Frau Zimmermann nichts hinzu zu fügen.

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04. Oktober 2009 11:26
Die unbekannten 15 Prozent  
Volkmar Grombein (Solitaire)

Bei allem Wohlwollen gegenüber der FDP sollte man vielleicht die Realität nicht aus den Augen verlieren. Wenn man sich hierzu auch noch das Wahlprogramm zu Gemüte führt, wird man recht schnell feststellen, dass das, was man da so hineingeschrieben hat, niemals funktionieren kann und wird. Die nächsten Wochen werden es beweisen. Wer nur ein wenig nachdenkt, wird mir recht geben. Man sollte vielleicht auch der Ehrlichkeit halber darauf hinweisen, dass die Bundesärztekammer in diesem Jahr ihren Mitgliedern Aktionen an die Hand gegeben hat, massiv die FDP zu unterstützen. Immerhin hat sich ein Teil der Mediziner gerade in 2009 nicht unbedingt in ihrer Glaubwürdigkeit besondere Lorbeeren erarbeitet. Im Gegenteil! Dies Feststellung gehört ebenfalls zur Wahrheit!

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04. Oktober 2009 11:11
Auch ich gehöre zum FDP Wähler  
Peter Kelm (Museumsdirektor)

Ich kann mich nur einigen Vorrednern anschließen und stehe fest zu meiner Wahlentscheidung vom letzten Sonntag. Ja, ich habe die FDP gewählt und das bereits zum wiederholten Male, ohne mich dafür zu schämen. Weniger Staat mehr Eigenverantwortung das muss die Maxime in der BRD sein. Mehr Eigenverantwortung heißt auch mehr Denken und das ist scheinbar einigen Menschen zu aufwendig. Die sollen ruhig nach mehr Hartz IV schreien, hilft eh nicht.
Gruß ein FDP Wähler für den Leistung und nicht Jammern zählt.

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04. Oktober 2009 10:11
Die grossen Schuhe der FDP  
Rolf Mueller (raem)

Die Wähler haben der FDP wirklich ziemlich grosse Schuhe für die Berliner Bühne verpasst. Es wäre sehr schade, wenn der FDP nichts anderes einfiele, als diese grossen Schuhe mit alten, vergilbten Socken zu füllen.

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04. Oktober 2009 10:03
@paulrabe, im Umkehrschuss  
Robert Arnold (RobertArnold)

Wenn sie schon solche billige Argumentationen anführen kann man auch sagen: die Linkspartie haben noch weniger gewählt. also rechtfertigt dies eine linke Politik erst recht nicht.
und wenn sie schon mit so billigen Rechentricks arbeiten dann rechnen sie am besten noch die Nichtwähler raus, die eh die SPD gewählt hätten dann komemn wir auf einen anteil von unter 10%. Ach ja, und dann die ganze nciht wahlberechtigte Bevölkerung an Ausländern und Kindern die eh die Linken gewählt hättte. Dann kommen wir auf einen neoliberalen Anteil im Promillbereich :D.
Ach kann die Welt nicht schön sein wenn man die Zahlen verdreht. Sie sind ideologisch verblendet und biegen sich die Welt schön.

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04. Oktober 2009 09:59
Die FDP wird an der Realität scheitern  
Paul Rabe (heidelpaul)

Die Mathematik ist auch für die FDP keine andere. Die FDP hat sich mit ihren Steuersenkungsversprechen weit aus dem Fenster gelehnt. Zu weit. Schon bald wird sie in die Tiefe fallen, denn die Realität ist in der Regierung viel unerbitterlich als in der bequemen Opposition. Es wird in den nächsten 12 Monaten keine nennenswerten Steuersenkungen geben und die FDP wird mit dem Bruch ihres wichtigsten Wahlversprechens deswegen furchtbar scheitern. Die Maasrichtkriterien gelten auch für eine FDP Regierung. Das hätte man vorher schon wissen können...

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04. Oktober 2009 09:53
Momentaufnahme 15 Prozent  
Jürgen Hänsch (annfritz)

Die prozentuale Zustimmung hatte die FDP am vorigen Sonntag. Wage zu behaupten, daß die Liberalen schon heute nicht mehr dieses Wahlergebnis erreichen würden. Die Westerwelles & Co. üben doch jetzt schon das Zurückrudern. Auch die FDP wird den tatsächlichen Gegebenheiten der bundesdeutschen Finanzlage Tribut zollen müssen. Das in den Kassen nur Schuldscheine liegen, dürfte auch der FDP vor den Wahlen bekannt gewesen sein. Und trotzdem Wähler ködern mit Ankündigung von Steuersenkungen. Schlimmer gehts wohl nimmer! Der smarte Guido sollte die nächsten vier Jahre auf der Regierungsbank geniessen. Nach der nächsten Bundestagswahl sitzt er wieder auf der anderen Seite .

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04. Oktober 2009 09:46
ich auch  
herrmann jon (in_der_mitte)

auch ich habe fdp gewählt und nicht spontan und nicht aus taktischen gründen und ich bereue es nicht und das ist gut so. ich bin mir absolut bewusst, dass sich nicht jeder punkt im programm sofort lückenlos umsetzen läßt. wir müssen anfangen endlich in größeren zeiträumen zu denken. die grünen z.b. reden nur drüber sind aber selbst mittlerweile von ihrer eigenen ideolgie meilenweit entfernt und nur noch schielend auf die macht. so was nennt man gemein hin doppelbödig. ich bezeichne es als verfilzt.

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