Dell Laptop-Ständer D/View

Das Notebook besiedelt den Schreibtisch

Von Nils Schiffhauer

Die Halterung D/View von Dell gibt dem Notebook ein Zuhause

Die Halterung D/View von Dell gibt dem Notebook ein Zuhause

01. Februar 2005 Der gemeine Anwender weiß es besser, als die Computerindustrie ihm weiszumachen versucht: Selbst das beste Notebook taugt nur bedingt zum Ersatz für das, was heute als Kombination von Tastatur und LCD-Bildschirm auf den meisten Bürotischen steht. Der traditionell weiterhin Desktop und also Schreibtischcomputer genannte Rechner braucht nicht mehr auf der Tischplatte Kompetenz und Kaufkraft seines Eigentümers zu präsentieren, sondern ist auf den Fußboden verbannt, was beim CD-Wechsel sowie Hineinstecken und Herausnehmen von Speicherkärtchen (digitale Fotografie!) zu allerlei hexenschußfördernden Verrenkungen führt. Beim so praktischen Notebook aber sind Tastatur und Display fest miteinander verbunden, wodurch sich auf üblichen Tischen kaum jemals eine arbeitsmedizinisch unbedenkliche Anordnung ergibt. Einzig die Sedus-Kombination von Fläz-Bürosessel "Open up" mit einem Work Assistant genannten und höchst flexiblen Stehsitzpult (F.A.Z. vom 4. September 2001) erfüllte bisher unsere Wohlfühl-Ansprüche bei stundenlanger Bearbeitung des Schoßcomputers. Nun aber verspricht Dell mit seinem D/View genannten Zubehör, das Notebook mit einem Griff zum Desktop zu machen.

Diese Computerrampe kostet zwar nur 70 Euro, verlangt für bequeme Verbindungen zu Strom- und Datennetzen jedoch nach dem Anschlußadapter D/Port für 174 Euro, zu denen sich noch die Kosten für eine - möglichst ergonomisch günstige - Tastatur gesellen. Alles das kam wenige Tage nach der Internet-Bestellung unter www.dell.de zusammen mit dem Preiswert-Notebook Latitude D505 (dieses von 1000 Euro an) in vier separaten Paketen in ein Haus, in dem zunächst allerhand auszupacken, aber nur weniges zu basteln war. Der Adapter ist auf den schanzenartig hochzuklappenden Ständer zu klemmen, wo er fest ohne jegliches Spiel Halt findet. Die Anschlußkabel verbergen Kabelführung und Kabelkanal. Diese aufnahmebereite Kombination ist so gänzlich Funktion, daß wir diesen Anblick reflexartig unter einer gewürfelten Tischdecke verbargen, solange wir das Notebook auspackten, seinen Akkus Strom einflößten und Windows Professional zur Benutzbarkeit klickten. Daß dann das Notebook bequem mit nur einem Handgriff auf den Ständer zu stellen ist, problemlos jeden Anschluß findet und beinahe genauso leicht wieder abzunehmen ist, haben wir so oft ausprobiert, bis wir Muskelkater hatten. Und selbst beim letzten Mal ging das noch beifallheischend leicht von der Hand: das Notebook an der Halterung ansetzen, die durch die Schwerkraft des Computers nach unten gleitet und das Heck des Geräts sanft auf die vier massiven und 280 Kontakte der Mini-Leiste drücken - fertig. Die nicht benötigte Tastatur des Tragerechners können gnädigerweise Notizen oder zu bearbeitende Vorlagen verdecken, denen ein ausziehbares Plastikteil Halt gibt. Das Trio aus Display, abgesetzter Tastatur und Maus kann nun so auf dem Tisch arrangiert werden, daß weder Schultern noch Arm- und Fingermuskulatur sich verkrampfen oder die Augen zu sehr plieren müßten. Zum Herausnehmen nur mit Hilfe eines Schlüssels die Arretierung lösen, und die Federkraft der Halterung schiebt einem den Rechner sanft in die Hand. Der ist daraufhin wieder reisefertig.

D/View ist so praktisch wie eine orthopädische Gehhilfe, sie ruht so stabil auf dem Tisch, daß, wer auf diesen mit der Faust schlägt, das ausgeklappte Display kaum zum Wackeln bringt. Das Computerlein selbst atmet ebenfalls Praxisnähe, die in der preisgünstigsten Ausführung der mit 1,3 Gigahertz getaktete Celeron verdeutlicht; in den höheren Versionen ist es ein bis zu 1,7 Gigahertz schwingender Mobilpentium von Intel. Doch wer die übliche Büroarbeit verrichten will, findet alles an Bord, was er erwartet, und manches wie Bluetooth (23 Euro Aufpreis), was nicht zu erwarten stand. Mit fünfundzwanzigpoliger Drucker- und neunpoliger serieller Buchse fügt sich der Rechner sogar gut in die Welten ein, die vor Erfindung von USB entstanden. Zwei USB-Buchsen der schnellen 2.0-Norm, Infrarotauge sowie selbstredend Wireless-Lan, Ethernet und Telefonmodem sind gleichfalls im 2,3 Kilogramm schweren Gehäuse verbaut. Im Betrieb ist dieser Latitude so ruhig, daß das Tastenklappern von Schnellschreibern die Geräusche von Festplatte (sparsame 30 Gigabyte beim Einsteigermodell) und Lüfter übertönt.

Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.02.2005, Nr. 26 / Seite T2
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