Chrome OS

Google sagt Microsoft den Kampf an

Von Stephan Finsterbusch

Ob das Chrome-Logo bleibt?

Ob das Chrome-Logo bleibt?

08. Juli 2009 Google bereitet die Einführung eines eigenen Betriebssystems für Computer vor. Damit will das führende Internethaus der Welt die bislang dominierende Marktstellung von Microsoft im Markt für Software angreifen und für sich neue Geschäftsfelder erobern. Wie Sundar Pichai, Vizepräsident für Produktmanagement des kalifornischen Unternehmens, in der Nacht zum Mittwoch auf dem Firmenblog mitteilte, sollen von Mitte kommenden Jahres an erste internetfähige Netbooks mit dem System „Google Chrome OS“ ausgerüstet sein. Später könnten dann auch Desktops mit diesem Grundlagenprogramm aus dem Hause Google laufen.

Technisch steht nach Pichais Worten das Internet im Mittelpunkt. Die für Nutzer vom kommenden Jahr an angebotene Software werde sowohl auf dem von Google kreierten Chrome-Internetbrowser wie auch auf dem frei verfügbaren Computerprogramm Linux aufbauen. Für Entwickler soll das Programm bereits Ende des Jahres als offene Software mit veränderbarer Programmiersprache freigegeben sein. Gemessen an dem für das Google-Programm benötigten Speicherplatz, sei es ein „Leichtgewicht“ unter den bislang vorhandenen Betriebssystemen von Anbietern wie Microsoft oder Apple. Darüber hinaus sei es optimiert für Anwendungen rund um das Internet. Damit sollen bisherige Nachteile von Personal- und Laptopcomputern wie Sicherheitslücken oder lange Wartezeiten beim Start eines Betriebssystems behoben werden können. „Die Botschaft, die wir von unseren Nutzern bekommen, ist klar: Computer müssen besser werden“, sagte Pichai weiter.

Mehr als 95 Prozent seiner Umsätze aus Anzeigengeschäften

Google sagt mit seinem jüngsten Großvorhaben Microsoft den Kampf an. Bislang beherrschte der größte Softwarehersteller der Welt den Markt für Computerbetriebssysteme mit einem Anteil von etwa 90 Prozent. Google ist eine der wichtigsten Internetfirmen und verbucht mehr als 95 Prozent seiner Umsätze aus Anzeigengeschäften rund um seine Suchmaschine im Internet.

Während Microsoft bislang vergeblich versuchte, Google als wichtigstem Anbieter von Dienstleistungen im weltweiten Datennetz Paroli zu bieten, mit dem geplanten Kauf der Internetfirma Yahoo bislang nicht vorankam und mit seiner Internetsuchmaschine Bing erst seit wenigen Wochen auf dem Markt ist, strebt Google an, im Markt für Software eine größere Rolle zu spielen als bisher. Mit kostenlosen internetbasierten Anwendungen wie etwa der Verwaltung von E-Mails macht es den Produkten des Konkurrenten Microsoft bereits zu schaffen. Im November 2007 gab Google bekannt, mit drei Dutzend Mitgliedern der sogenannten Open Handset Alliance ein Betriebssystem für Mobilfunkgeräte zu entwickeln. Ein Jahr später waren die ersten Handys mit dem Google-Programm namens Android auf dem Markt.

Microsoft hatte den Explorer direkt an sein Betriebssystem gekoppelt

Auch ist seit Dezember 2008 der Google-Webbrowser Chrome verfügbar. Das Computerprogramm zum Betrachten von Internetseiten konnte dem Internetexplorer genannten Konkurrenzprodukt von Microsoft bislang jedoch kaum nennenswerte Anteile im Browser-Markt abjagen. Microsoft hatte den Explorer direkt an sein Betriebssystem gekoppelt. Das musste der Softwarekonzern nach Einwänden der Brüsseler Wettbewerbshüter zumindest in Europa wieder entflechten. Google geht mit der engen Verbindung von Internetbrowser und Betriebssystem einen ganz ähnlichen Weg, wie ihn Microsoft einst ging. „Wir meinen, das Internet wird den Kern im Umgang mit Computern darstellen“, sagte Pichai.

So will Google mit dem neuen, auf Chrome basierenden Computerbetriebssystem zunächst den schnell wachsenden Markt für internetfähige Kleinstcomputer, sogenannte Netbooks, erobern. Allein in Europa wurden nach Angaben des Analystenhauses Gartner in den ersten drei Monaten dieses Jahres 2,2 Millionen dieser Maschinen verkauft. Das waren 15 Prozent aller tragbaren Computer. Vor drei Jahren hatte es diese Produktkategorie faktisch nicht gegeben. Google möchte an diesem Wachstum teilhaben. Das Betriebssystem wird nach Angaben des Unternehmens so angelegt, dass es auf Rechnern mit sogenannten x86-Prozessoren läuft. Prozessoren sind die zentralen Steuerbausteine eines Computers. Sie werden von den Halbleiterherstellern Intel und AMD angeboten und finden sich in mehr als 90 Prozent aller Computer auf der Welt wieder.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa

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