17. Oktober 2008 Mit diesem Ansturm hat niemand gerechnet. Sie sind modern, schick und beflügeln den gesamten Notebook-Markt, die abgespeckten, günstigen Subnotebooks in der Preisklasse zwischen 300 und 500 Euro. Das taiwanische Unternehmen Asus war mit seinem Eee PC der Pionier, und nun folgen alle anderen Hersteller. Was macht die Faszination dieser kleinen Geräte aus? An erster Stelle die Bauform: ein Mini-PC im Format eines Buchs, der mühelos in eine etwas größere Damenhandtasche passt, erweckt sofort Aufmerksamkeit. Keine Frage, den nimmt man gern mit auf Reisen, der ist kein Ballast. Und im Unterschied zu einem Smartphone mit Tastatur muss man sich nicht umstellen, sondern arbeitet mit gewohnter Software.
Internetseiten oder Excel-Tabellen werden größer und besser als auf jedem Taschencomputer dargestellt, die lästige Konvertierung von Dateien entfällt, und dank USB lässt sich zusätzliche Hardware nutzen. Mit Wireless Lan holt man sich die neue E-Mail am Hotspot statt über eine teure Mobilfunkverbindung. Aber nicht nur als Reisebegleiter sind die Zwergrechner erfolgreich. Sie bewähren sich zudem als Zweitgerät fürs bequeme Sofa-Surfen, und da sich so viel ins Internet verlagert hat, braucht man auf einem solchen Mini keine opulente Software, sondern meist nur den Firefox als Internet-Browser. So ist bezeichnenderweise von Netbooks die Rede. Noch vor einem Jahr lagen die Preise für besonders kleine Business-Notebooks bei 2000 Euro und mehr. Die neue Generation der Netbooks ist allerdings bei weitem nicht so leistungsfähig, schlechter verarbeitet und in Sachen Tastatur ein Kompromiss. Aber der Preis macht's.
Eine Tastatur in nahezu Normalgröße
Nun stehen zwei Kandidaten auf dem Schreibtisch, die bei den Netbooks neue Maßstäbe setzen sollen. Beide sind der erste Zwergnotebook des jeweiligen Herstellers. Dell prescht mit dem Inspiron Mini 9 für 400 Euro vor (mit Ubuntu-Betriebssystem: 350 Euro), und Hewlett Packard schickte uns den HP Compaq 2133 Mini-Note, der von 600 Euro an zu haben ist. Die Gemeinsamkeiten sind schnell aufgezählt: eine Bildschirmdiagonale von 22,5 Zentimeter mit lästig spiegelndem Display, robuste Scharniere, ein Touchpad mit zwei Tasten, analoger Monitorausgang, Wireless-Lan, aber kein eingebautes optisches Laufwerk, eine insgesamt sehr ordentliche Verarbeitungsqualität und eine Webcam am oberen Bildschirmrand.
Der Dell ist der kleinere und leichtere Kandidat (23 x 1,7-3,2 x 17 Zentimeter, 1 Kilogramm), der HP hingegen ist ein gutes Stück breiter (27 x 3,3-5 x 16,5 Zentimeter, 1,3 Kilogramm), und vor allem ragt hier der rückseitig angesteckte Akku als Standfuß aus dem Gerät hervor und stellt damit die Tastatur schräg nach oben. Für das Verstauen im Reisegepäck ist dieses Bürzel allerdings ebenso hinderlich wie beim Sofa-Surfen mit dem Mini auf den Oberschenkeln. Mit seiner Aluminiumeinfassung wirkt der HP unglaublich edel und schick, und wenn man den Bildschirm aufklappt, erscheint eine Tastatur in nahezu Normalgröße. Der Trick dabei: Die einzelnen Tasten reichen bis an den Gehäuserand, die gesamte Breite des Geräts wird voll ausgenutzt. So wundert kaum, dass man von dem Mini-Note erst einmal begeistert ist.
HP überzeugt mit höherer Auflösung
Beim kleineren Dell hingegen kommt Plastik zum Einsatz, zwar mit guter Anmutung, aber der obere glänzende Gehäusedeckel nimmt Fingerabdrücke sofort auf. Zugeklappt ist er hingegen der ideale Reisebegleiter, da ragt nichts heraus. Auf identischer Bildschirmfläche schafft der HP eine Auflösung von 1280 x 768 Pixel, beim Dell sind es nur 1024 x 600. Der Unterschied ist durchaus bemerkbar, weniger beim Surfen im Internet, wohl aber bei Text, Tabellen und E-Mail. Da fehlen dem Dell etliche Zeilen. Die Tastatur des kleineren Geräts ist durchdacht und ordentlich.
Wer indes mit 10 Fingern schreibt, wird sich über die viel zu kleine rechte Umschalttaste ärgern. Man braucht doch längere Zeit der Gewöhnung. Hinnehmbar ist hingegen, dass die Reihe mit den Funktionstasten fehlt, man muss hier Fn und eine Buchstabentaste gleichzeitig drücken. Der Dell wiederum bietet das deutlich bessere Display: hell, kontrastreich, angenehm. Beim HP ist die Anzeige mangelhaft: zu dunkel, wie mit einem Grauschleier überzogen, man muss schon sehr konzentriert und genau hinsehen.
Der Inspiron ohne Lüfter und nahezu lautlos
Beide Geräte sind auch hinsichtlich der technischen Daten ungleiche Brüder. Dem Dell wurde das mitgegeben, was bei einem Netbook sinnvoll und angesagt ist: Eine kleine 16-Gigabyte-SSD-Festplatte ohne bewegliche Teile mit 10 Gigabyte freiem Speicherplatz, ein Atom-N270-Prozessor von Intel mit 1,6 Gigahertz, ein Ethernet-Anschluss, 3 USB-Schnittstellen, Bluetooth sowie ein Steckplatz für Speicherkarten. Das überzeugendste Detail ist neben Windows XP als Betriebssystem, dass der Inspiron Mini 9 ohne Lüfter auskommt und deshalb nahezu lautlos bleibt. Er wird auch nicht besonders heiß.
Der Akku hält etwas länger als drei Stunden durch, und wir arbeiteten ohne Probleme mit gängiger Standardsoftware. Ein UMTS-Modem im USB-Stick ließ sich mühelos in Betrieb nehmen. So ist der Inspiron ein idealer Begleiter für unterwegs. Das Gerätchen ist insgesamt ausgewogen konstruiert, ein ehrlicher Kerl, der einem sofort sympathisch ist. Hier bleiben nur zwei Wünsche offen: eine breitere Umschalttaste und die etwas höhere Bildschirmauflösung des HP oder zumindest ein virtueller Desktop, der leider nicht zum Lieferumfang gehört.
Ein Fortschritt gegenüber der asiatischen Konkurrenz
Der 2133 Mini-Note will indes unter den kleinen Netbooks der Größte sein. Es ist ein besonders ambitioniertes Gerät. Die edle Hülle schützt hochwertige Ausstattung mit einem 1,6-Gigahertz-Prozessor von Via, 2 Gigabyte Arbeitsspeicher, einer richtigen 120-Gigabyte-Festplatte, Bluetooth, zweimal USB, Ethernet, einem Speicherkarten-Slot und dem für Geschäftsreisende wichtigen Express-Card-Slot, der ein UMTS-Modem aufnimmt. HP zeigt also der Netbook-Welt, was man aus diesen Minis herausholen kann, wenn man nur will. Dieser hohe Anspruch drückt sich auch im Preis aus.
Allerdings hat der Mini-Note einen gewaltigen Haken, und der heißt Windows Vista. Das Microsoft-Dickschiff hat naturgemäß auf einem Kleinstrechner wenig Sinn. So auch hier: Der HP bemüht sich redlich, aber man merkt ihm die Anstrengung an, der Lüfter läuft ständig, und er braucht doppelt so lange zum Hochfahren wie der Dell. In Sachen Akkulaufzeit liegt er jedoch gleichauf. Das Vista-Problem hat HP mittlerweile erkannt und liefert Windows XP für ein Downgrade mit, das ein Aufstieg ist. Allerdings braucht man dafür ein optisches Laufwerk und viel Zeit für die vollständige Neuinstallation des besseren Betriebssystems. So bleibt also als gravierender Minuspunkt nur das Display. Beide Zwergrechner sind faszinierend und ein Fortschritt gegenüber den schlechter verarbeiteten Modellen der asiatischen Konkurrenz. Man sollte sie in Augenschein nehmen und vor allem das Gerät der Wahl vorab ausprobieren.
Text: F.A.S.
Bildmaterial: Hersteller, Spehr