04. September 2008 Sie sind derzeit die Renner im Computergeschäft, die besonders kleinen Subnotebooks mit sparsamer Ausstattung zu günstigen Preisen um die 300 Euro. Warum viel Geld für einen teuren Notebook ausgeben, wenn man ohnehin die meisten Daten im Internet vorhält? Die Rechenzwerge, meist mit Windows XP oder Linux ausgerüstet, signalisieren zudem eine klare Abkehr vom naiven Fortschrittsglauben der PC-Gemeinde, dass es stets der schnellste Rechner sein muss.
Kein Mensch kann indes erklären, warum man für Standardaufgaben unter Word und Outlook oder Open Office einen Hochleistungsboliden mit zwei Prozessorkernen und drei Gigahertz Taktfrequenz braucht. Die einzige Existenzberechtigung für diese Kampfmaschinen sind multimediale Anwendungen und Spiele. Für Text, E-Mail und überdimensionierte Tabellen, gelten sie mit ihrem hohen Stromverbrauch als nicht mehr zeitgemäß.
Nach zwei Jahren kommt der nächste
Zweitens hat sich die gesamte PC-Branche mit dem fortwährenden Bestreben, das Rad immer schneller zu drehen, keinen Gefallen getan. Das beste Beispiel ist das überhebliche Grinsen des Computerhändlers um die Ecke, wenn man dort mit seinem nur 18 Monate alten Rechner und der Bitte um behutsame Hardware-Modernisierung für den Umstieg auf Vista auftaucht. Süffisant wird einem erklärt, was mit dieser alten Mühle“ nicht geht: Nur wenige Prozessoren seien überhaupt kompatibel, und ein neues Motherboard nebst anderen Speichermodulen ebenfalls fällig. Kurzum: Die Nachhaltigkeit einer Investition in den Desktop-PC ist zumindest in der Windows-Welt gleich null. Nach zwei Jahren kommt der nächste, daran haben sich alle gewöhnt, nur nicht die Finanzämter bei der steuerlichen Abschreibung.
Sind der modulare Aufbau und die Erweiterungsfähigkeit eines Desktop-Rechners ohnehin eine Schimäre, kann man sich auch gleich ein kleines Schnuckelchen mit dem Wissen zulegen, dass es eine Weile seine Pflicht tut, bevor es dann den Weg ins Kinderzimmer antritt. So lehnen wir uns hier weit aus dem Fenster und sehen den nächsten Trend auf uns zukommen, nämlich kompakte, kleine Desktop-Rechner mit Notebook-Komponenten, zwar nicht erweiterbar, aber für Standardaufgaben durchaus brauchbar.
Durchaus für normale PC-Aufgaben gut gerüstet
Der erste Vertreter dieser Gattung war vor Jahr und Tag der Mac Mini, bis heute ist der Kleine großartig. Nun zieht die Windows-Welt nach, hier ist Dell mit den Studio-Hybrid“-Modellen in der Preisklasse zwischen 570 und 820 Euro der Platzhirsch. Das kleinste Modell hat nur einen Dual-Core-Prozessor, die drei teureren kommen mit dem Core-2-Duo, der deutlich mehr Rechenleistung bringt (2,0 und 2,1 Gigahertz). Zwei bis vier Gigabyte RAM sind an Bord, Festplatten lassen sich mit Kapazitäten zwischen 160 und 320 Gigabyte ordern. Ein optisches Laufwerk ist eingebaut. Das Top-Modell liest sogar Bluray, der Aufpreis von rund 200 Euro lohnt sich aber angesichts der sonstigen Ausstattung nicht. Denn alle Modelle haben nur einen Onboard-Grafikchip (Intel 3100), aber keine eigenständige Grafikkarte.
Von den technischen Daten her ist Studio Hybrid“ durchaus für normale PC-Aufgaben gut gerüstet. Auch bei den Anschlüssen geht man keine Kompromisse ein: Für den Monitor stehen HDMI und DVI zur Verfügung, ein analoger und digitaler Audioausgang sind ebenso vorhanden wie Ethernet und Wireless-Lan. Über Firewire freut sich der Videofilmer, ein Speicherkartenslot verarbeitet diverse Formate, darunter Secure-Digital-Medien, und die insgesamt fünf USB-Anschlüsse bieten genug Platz für sonstige Erweiterungen.
Am interessantesten ist die Bauform
Als Betriebssystem für kleine PCs ist Windows XP die erste Wahl. Leider gibt es das nur noch für schwachbrüstige Maschinen, so dass man nolens volens Vista nehmen muss. Unser Testgerät war vergleichsweise wenig zugemüllt mit unerwünschter Werbe-Software. Die anfängliche Strapaze des Aufräumens und Löschens, die bei einem Sony- oder Aldi-PC mehrere Stunden dauert, war hier nicht fällig.
Am interessantesten ist freilich die Bauform: Die Studio-Hybrid-Geräte lassen sich waagerecht und senkrecht aufstellen, ein Standfuß ist mit dabei, und die Anzeige auf der Vorderseite wechselt ihre Ausrichtung. Der Design-Rechner misst 20 x 7,2 x 21,2 Zentimeter und wiegt etwas mehr als zwei Kilogramm. Für einen Aufpreis von 40 Euro bekommt man statt der Standardfarbe Schiefergrau ein bisschen Farbe auf den Schreibtisch. Sieht der Dell auf den Fotos ungemein schick aus, relativiert sich der Eindruck nach dem Anschluss von Monitor, Lautsprecher und weiterer Peripherie.
Mit der Anschaffung noch ein bisschen warten
Irgendwo muss dann auch noch das zigarettenschachtelgroße Netzteil verstaut werden, und wer weitere USB-Geräte anschließt, wird angesichts des Kabelwirrwarrs den Studio Hybrid doch lieber unter als auf dem Schreibtisch sehen. Die äußere Plastikhaube ist abnehmbar und das darin verstaute Gehäuse schnell zu öffnen. Aber im Innern herrscht eine solche Enge, dass eigene Aufrüst- oder Reparaturmaßnahmen wohl kaum mögich sind.
Unser Testgerät arbeitete insgesamt deutlich leiser als ein Desktop-PC, aber etwas lauter als ein leiser Notebook oder ein Mac Mini. Man hört in sehr ruhiger Umgebung fortwährend ein eher tiefes Brummen, das nicht allein vom Lüfter stammt. Hier ließe sich bestimmt noch etwas verbessern. Insgesamt ist der Studio Hybrid mit seiner guten Verarbeitung und sinnvollen Ausstattung durchaus empfehlenswert. Man sollte allerdings mit der Anschaffung eines solchen Mini-PCs noch ein bisschen warten. MSI bringt im nächsten Monat einen Wind Desktop“ in ähnlicher Bauform (mit Windows XP und 160 Gigabyte-Festplatte) für weniger als 300 Euro auf den Markt, und von Asus kommt die Eee Box“ im Buchformat (ebenfalls in dieser Preisklasse). So erwartet uns ein heißer Herbst der Mini-PCs.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Hersteller