Microsofts Suchmaschine

Die Maschine mit dem Bing

Von Marco Dettweiler

03. Juni 2009 Google ist ein beliebtes Objekt für Killer. Wer wollte in den letzten Monaten nicht alles Google umbringen? Vor knapp einem Jahr waren es Stanford-Professor Tom Costello und die beiden ehemaligen Google-Mitarbeiter Anna Petterson und Russell Power. Ihre Waffe war Cuil (gesprochen wie das englische Wort „cool“), eine Google-Kopie in schwarz. Sie haben ihr Ziel verfehlt. Kaum ein User erinnert sich an Cuil, noch weniger benutzen es.

Den jüngsten Versuch unternahm der bekannte Mathematiker Stephen Wolfram. Er wählte seine Suchmaschine WolframAlpha für das Duell. Die Durchschlagskraft sollte aus dem semantischen Web kommen. Es war allerdings weniger Wolfram selbst, als vielmehr die Medien, die sich einen wirklichen Google-Killer erhofften. Doch die meisten Propheten surften bei vielen Themen auf WolframAlpha zwischen belanglosen Statistiken und unvollständigen Vorschlägen. Zu häufig erscheint „WolframAlpha isn't sure what to do with your input.“ Vielleicht hätten sich manche Nutzer vorher klar machen sollen, für welche Zwecke diese Suchmaschine geeignet ist, für naturwissenschaftliche Phänomene zum Beispiel oder geografische Vergleiche.

Ist Bing Google oder wird Bing das bessere Google?
Ist Bing Google oder wird Bing das bessere Google?

„But it's not Google“

Nun greift also Microsoft - mal wieder - Google an. Das Unternehmen ließ seinen vermeintlichen Killer, der ursprünglich Kumo heißen sollte, einen Tag früher von der Leine als geplant. Dass Microsofts Attacke direkt auf den Konkurrenten abzielt, ist klar. Deshalb gab es auch relativ schnell die erste ironische Interpretation, als Steve Ballmer vergangene Woche den Namen „Bing“ vorgestellt hatte: „But it's not Google“. Wie auch? Bei Suchabfragen in den Vereinigten Staaten erreicht Live Search, die bisherige Suchmaschine von Microsoft, nach jüngsten Daten von Comscore einen Anteil von 8,2 Prozent, verglichen mit 64,2 Prozent für Google und 20,4 Prozent für Yahoo. Microsoft-Chef Ballmer hatte auf der Konferenz „D: All Things Digital“ in Kalifornien versprochen: „Wir wollen es jetzt besser machen“.

Nach einem ersten Blick auf Bing muss man Ballmer zunächst zustimmen. Bing ist besser als Live Search. Das allein dürfte dem Microsoft-Chef noch nicht genügen, der gerne mal öffentlich brüllt: „Ich werde Google verdammt noch mal umbringen!“ Vergleicht man Bing dann mit Google, wird man den Eindruck einfach nicht los, dass man da bis auf das täglich wechselnde Gewand etwas sehr Ähnliches vor sich hat. Das Hintergrundbild seiner neuen Suchmaschine tauscht Microsoft einmal pro Tag aus.

Letztlich dominiert auf Bing - ebenso wie Google - die weiße, große Eingabeleiste. Das Suchwort lässt sich dann in den Kategorien Erkunden, Bilder, Videos, Shopping, News, Maps und Travel abschicken. Bei Google sind es die Kategorien Web, Bilder, Video, Maps, News, Shopping und E-Mail. Die beiden Suchmaschinen sind sich auch in der Funktionalität sehr nahe. Obligatorisch ist bei Suchmaschinen mittlerweile die Autovervollständigungsfunktion während der Eingabe. Hübsch ist bei Microsofts neuer Maschine die Einblendung von Textausschnitten der angezeigten Homepage per Mouse-Over-Funktion.

Per Preview zur amerikanischen Version

Wo liegt also der Mehrwert von Bing? Diese Antwort kann man in Deutschland nicht richtig geben. Bisher ist hierzulande nur eine Beta-Version verfügbar. Der Nutzer kommt zurzeit bei dieser Bing-Version längst nicht so weit wie mit Google. Es gibt allerdings die Möglichkeit zu einer Bing Preview zu klicken, die dann der amerikanischen Version entsprechen soll. Das Gleiche erreicht man durch eine Umstellung unter dem Link „Deutschland“. Wählt man dort die Sprache „USA-Englisch“, erzielt man den gleichen Effekt.

Anschaulich wird der Unterschied zwischen der deutschen und der offiziellen Seite, wenn man „zur sonne frankfurt“ in der Beta-Version eingibt. Von den ersten der 873.000 Ergebnissen führt keiner zum Biergarten. Anders in der Bing-Preview. Ähnlich wie Google nennt die Suchmaschine mit dem ersten Treffer die Adresse inklusive Verlinkung zu Maps, wo der Biergarten korrekt gekennzeichnet ist. Doch bei der Eingabe „museum zur amtspforte“ scheitert sogar das offizielle Bing. Nach dem ersten Scannen der Treffer erscheint nicht wirklich erkennbar das Stadthagener Museum. Google ist da schlauer. Der erste Treffer enthält Bilder und Informationen.

„Es ist verdammt nahe dran“

Von der „Entscheidungsmaschine“, wie sie von Microsoft angekündigt wurde, ist ein bisschen etwas zu spüren. Bings Stärken liegen etwa bei der Reiseplanung, weil der Nutzer direkt in einen Servicebereich weitergeleitet wird, in dem er Reservierungen und Online-Bestellungen tätigen kann. Preisvergleiche sollen bei der Kaufentscheidung helfen. Tippt man etwa die griechische Insel Paros ein, erscheinen in der linken Spalte Sammellinks zu Hotels, Karte oder Wetter.

Solche Kategorisierungen sollen ein Vorzug von Bing sein. Sucht man nach der Sängerin Beyoncé oder Britney Spears zeigt Bing in der linken Spalte die Treffer nach den Kategorien Videos, Konzerttickets oder Liedtexten sortiert an. Nur: Google macht das auch. Liedtexte und anderes sind am Ende der Trefferliste sortiert. Bilder und Videos werden in der Ergebnisliste hervorgehoben.

Bilder ohne Ende

Dafür ist die Darstellung der Bilder und Videos bei Bing wirklich ansprechend gemacht. Klickt man in die Bildersammlung einer der beiden Sängerinnen und bewegt den Cursor, vergrößert sich das jeweilige Bild. Scrollt man nach unten, vergrößert sich die Auswahl auf der gleichen Seite, das heißt, der Nutzer muss nicht zu Seite 1,2,3 und so weiter klicken. Ebenso spannend ist die Video-Seite. Dort startet der jeweilige Clip, wenn der Cursor das Standbild berührt.

Das alles kann Google nicht. Doch diese Funktionen sind letztlich auch viel Spielerei. Jedenfalls ist es zu diesem Zeitpunkt noch zu früh, um Bing und Google miteinander zu vergleichen. Deutsche User müssen eh warten, bis Bing keine Beta-Version mehr ist. In dieser Verfassung braucht Bing kein Mensch. Techcrunch-Blogger Michael Arrington lobt Bing jetzt schon. „Selbst wenn es nicht so gut wie Google ist, ist es verdammt nahe dran.“ In der Tat. Microsoft hat mit Bing mächtig was auf die Beine gestellt. Um Google zu töten, ist Bing allerdings noch zu schwach. Die Nutzer können weiterhin auf Google setzen.

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: Microsoft, Reuters

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2009.
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte erwerben
Verlagsinformation

Sie wollen mit Ihrer eigenen Website Geld verdienen? Dann platzieren Sie Google - Anzeigen. In diesem Buch erklärt Jerri Ledford wie Sie AdSense verstehen und nutzen können. Mehr…

FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche