18. Dezember 2006 Das Schöne am Quasi-Monopol von Microsoft bei den Betriebssystemen ist, daß man sich um nichts mehr kümmern muß. Gegessen wird, was auf den Tisch kommt, und das gilt jetzt auch mit dem Erscheinen des neuen Vista. Ob man das neue Windows braucht oder es völlig überflüssig ist, ob man es kaufen soll oder nicht, ob es besser oder schlechter als der Vorgänger ist: Das alles spielt in der Windows-Welt überhaupt keine Rolle, denn der Herrscher über die Rechner hat entschieden, und damit ist eigentlich alles klar.
Vista ist vom 30. Januar an für Privatanwender im Handel, und jeder neue PC wird damit ausgerüstet sein. In den nächsten ein, zwei Jahren stellt Microsoft den Support für den Vorgänger XP ein, und daraus ergibt sich, daß man umrüsten muß, wenn der Rechner am Internet hängt und man auf aktuelle Sicherheits-Updates angewiesen ist. Für vorhandene Geräte schon jetzt Vista nachzukaufen ist hingegen nur für den PC-Freak angesagt, der stets das Neueste will.
Schickes Outfit
Wir haben Vista bereits seit einigen Wochen im Einsatz, und wenn man die Eindrücke und Erfahrungen knapp zusammenfaßt, stellt sich eine gewisse Ernüchterung ein: Für den Nutzer sieht Vista modern und schick aus. Einiges, wie der verbesserte Media-Player oder die Videoschnittsoftware, ist neu. Aber gewiß nicht revolutionär, denn eigenständige Multimedia- oder Videoprogramme für XP sind nach wie vor besser. Manches ist praktisch, etwa die verbesserte Anzeige von Vorschau-Bildern im Explorer oder die Mini-Anwendungen, die sich am Rand des Bildschirms einblenden lassen und etwa mit einem Blick die aktuellen Börsenkurse zeigen.
Vieles bleibt, wie es ist. Das betrifft die Menüstruktur und Eigenheiten von Windows, die man nicht immer verstehen kann oder will. Manches ist vom Mac abgekupfert, so der Aero-Look mit hübschen grafischen Effekten, durchsichtigen Fensterrahmen und dem schnellen Rollen durch alle geöffneten Fenster. Eine betriebssystemübergreifende Suche, permanent an vielen Stellen eingeblendet, findet Einträge in Outlook ebenso wie Textstellen in Word: praktisch, aber wiederum nichts, was man nicht schon gesehen hätte.
Mehr Sicherheit
Die wichtigsten Änderungen stecken unter der Oberfläche. Hier hat Microsoft vor allem die Sicherheitsmaßnahmen verstärkt. Vista soll besser gegen Viren und Schädlinge aller Art geschützt sein, schwerer zu manipulieren. Bei der Änderung wichtiger Einstellungen oder der Programminstallation verdunkelt sich der Bildschirm, und man muß die nachfolgenden Aktionen ausdrücklich bestätigen: ein Schutz gegen ungewollte Aktionen.
Alte XP-Soft- und Hardware ist überwiegend kompatibel zu Vista, die Systemanforderungen sind etwa gleich geblieben. Probleme hatten wir mit WordPerfect Office Version 12 und Dragon Naturally Speaking. Alle namhaften Hersteller arbeiten an Treibern und Updates, hier muß man sich also keine Sorgen machen, aber noch ein bißchen Geduld haben.
Vista gibt es in fünf verschiedenen Versionen, von der Home Basic ohne Audio- und Video-Funktionalität für 260 Euro (Update 140 Euro) bis hin zur Ultimate-Version, die stolze 550 Euro kostet (Update 280 Euro). Eine Enterprise-Version für Unternehmen wird es nicht im freien Handel geben. Die Revolution bleibt mit Vista also aus. Die vielen Verbesserungen im Detail werden wir an dieser Stelle Ende Januar noch ausführlich vorstellen.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Hersteller