Highlights auf der Cebit

Computerdirigent mit Geisterhand

Von Marco Dettweiler (Text) und Andreas Brand (Video)

Video in voller Größe

06. März 2008 Wenn Hollywoods Produzenten darüber nachdenken, wie die Zukunft aussehen könnte, dann dürfen sich ihre Drehbuchschreiber gerne austoben. In dem Science-Fiction-Film „Minority Report“ von Steven Spielberg etwa bedient Tom Cruise einen Computer auf ungewohnte und innovative Weise. Er fummelt mit seinen Händen vor dem Bildschirm herum, um Symbole zu verschieben, zu drehen und zu löschen. Cruise berührt dabei nicht die Oberfläche, allein seine Gesten sagen dem Computer, was er zu tun hat.

Wer auf der Cebit in Hannover am Stand des Fraunhofer-Instituts zufällig vorbeiläuft, denkt wahrscheinlich sofort an diese Szene - und sucht vergeblich Tom Cruise. Dafür steht Paul Chojecki wie ein Cowboy im Anzug und ohne Revolver vor der Leinwand. In aller Ruhe zielt der Forscher vom Fraunhofer-Institut mit seinen beiden Fingern auf das Bild vom Brandenburger Tor, um es dann hin- und herzubewegen. Er dreht, vergrößert und verschiebt es. „In erste Linie wollen wir hier eine Technologie präsentieren“, sagt der Projektleiter, um anzudeuten, dass das Gerät noch nicht für den Massenmarkt reif ist.

Hygienische Computer

Der i-Point-Presenter ist letztlich ein Mausersatz. Aus der Eigenschaft der Erfindung, nämlich der Steuerung eines Computers, ohne diesen berühren zu müssen, ergeben sich die Anwendungsgebiete. Chojecki stellt sich einen Arzt im OP-Saal vor, der sich während der Operation auf dem Bildschirm ein 3-D-Objekt ansieht, das er per Fingerzeig drehen und wenden kann, wie er will. „Die Hygiene kann auch an anderen Orten eine Rolle spielen“, sagt er und beschreibt eine Hinweistafel für Touristen, die per Fingerzeig gesteuert wird. Niemand müsse mehr einen Touchscreen benutzen, der möglicherweise schmutzig ist, weil zuvor jemand mit seinen fettigen Fingern die Scheibe verschmiert hat. Auch wäre die interaktive Tafel gegen Vandalismus geschützt.

Zwei Infrarot-Kameras sind der empfindliche Teil des i-Point-Presenters. Hinter einer Glasscheibe nehmen sie die Bewegungen der beiden Zeigefinger auf, analysieren sie und übermitteln die Daten dem Rechner, der sie auf dem Bildschirm in Befehle umsetzt. „Das System ist skalierbar für bis zu neun Kameras. Theoretisch könnte man dafür auch Webcams benutzen“, sagt Chojecki und nennt eine weitere Einsatzmöglichkeit: barrierefreie Systeme. Rollstuhlfahrer können häufig Terminals nicht benutzen, weil sie zu hoch installiert sind. Hängt der Kasten mit den Kameras unter der Decke, spielt die Größe des Nutzers keine Rolle mehr, da jede Position auf der vertikalen Achse erfasst wird.

Das System erfasst also zwei fingergroße Objekte und berechnet ihre Position im Raum, also in drei Dimensionen. Diese Komplexität ist relativ neu. „Wir arbeiten mit dem Mehrfach-Finger-System erst seit drei oder vier Monaten“, sagt der Berliner Wissenschaftler. Doch die Forschung am i-Point-Presenter hätte schon vor Jahren begonnen. Natürlich kennt auch er den Science-Fiction-Film von Steven Spielberg. Und gibt zu: „Der war zuerst da.“

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: Andreas Brand

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